Letzte Nacht zuhause

Nun also das letzte Mal in der alten Wohnung zu Bett gehen. Kleines Hungergefühl im Magen, noch drei Joghurts im Kühlschrank – aber natürlich sämtliches Besteck tief unten in irgendeinem der zehn Umzugskartons. Habe mich doch die fünf Jahre, die ich in diesen bescheidenen 28qm verbracht habe, sehr wohl gefühlt. Ab morgen dann 50qm plus Dachterasse direkt in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens – aber auch 250km zwischen mir und meiner besseren Hälfte. Irgendwie kann man dann doch nie alles auf einmal haben.

Have-done-Liste

Bankbürgschaft für Mietkaution, Dispokredit verdoppelt, Dauerauftrag Miete gekündigt, Umzugswagen bestellt, Telefonanschluss gekündigt, Wohnung gekündigt.

Ich könnt mich ja darüber beömmeln, dass ich tatsächlich ab Donnerstag meinen Lebensunterhalt mit Schreiben verdienen werde. Und meine literarischen Ergüsse sind dann nicht nur im Netz abrufbar, sondern liegen zudem auch noch in Lidl- und Plus-Filialen aus (Traumhaft reisen zu Lidl-Preisen!). Zu allem Überfluss hab ich den Job ja sogar meinem abgebrochenem Germanstikstudium zu verdanken. Am Ende fügt sich also doch alles zu einem großen Ganzen. Lustigerweise lag gerade heute eine Werbebroschüre meines zukünftigen Arbeitgebers im Lidl aus. Mit einer leichtbekleideten Perlweißblondine und ihrer Bilderbuchtochter auf der Vorderseite. Mir gleich ausgemalt, für die nächste Ausgabe ein braungebranntes Männerpaar auf die Titelseite zu setzen.

Autorennen im Kopf

Der schlimmste Ohrwurm des Winters ist ja mit riesigem Abstand Chasing Cars von Snow Patrol. Ich höre das jetzt schon zum xten Mal hintereinander, obwohl es ja eigentlich so eine typisch heterosexuelle, pathetische Stadionrockschnulze für U2-Fans ist, die man unter normalen Umständen aus tiefsten Herzen hassen würde. Wenn es aber gerade draußen schneit, man seinen Abschied von den Liebsten vorbereitet und sich gleichzeitig das baldige, langersehnte Leben in der Großstadt ausmalt, gibt es wohl keinen besseren Soundtrack.

Rilke im Penny-Markt

Das ist wirklich mal eine süße Idee: Rilke im Penny-Markt, Bohlen im Park:

Ich will gar nicht so viel erklären, was aus diesem Weblog hier werden soll, denn das wird sich zeigen. Die Grundidee ist, dass man eine URL an einem Gegenstand anbringt und diesen auf die Reise schickt (also irgendwo aussetzt, versteckt, verschenkt). Dann schaut man, ob jemand die URL eingibt und erzählt, was mit dem Ding passiert ist.

Werde ich auch mal dran teilnehmen und meiner alten Heimatstadt ein Abschiedsgeschenk hinterlassen.

Seeing through ghosts

Relax, it’s only a shadow….
Ein Auszug aus dem Nacht & Nebel-Mix als eigenständiges Mashup:

bumtschak – “Seeing through ghosts”
(Phantom\Ghost vs. Loco Dice)
File under Microgoth.

Jeden Abend Bruschetta

Donnerstag Bewerbung geschrieben, Freitag Anruf bekommen, heute Vorstellungsgespräch und schon eingestellt: Wird wohl doch nichts aus meiner angestrebten Karriere als Heimchen am Herd. Denn ein Reiseunternehmen aus dem Raum Düsseldorf (genauer gesagt aus dem Ort mit der höchsten Einkommensmillionärsdichte Deutschlands) hat es gewagt, mich als Content Manager zu verpflichten. Und am 1. Februar soll es schon los gehen! Falls also jemand aus der Gegend ein Landei vom Heimweh ablenken möchte, bitte in den Kommentaren melden.

Programmhinweis

Endlich mal eine sinnvolle Einsatzmöglicheit für del.icio.us gefunden: Um nicht für jeden Unsinn, den man so im Netz findet, einen Beitrag anlegen zu müssen, gibt es ab sofort rechts in der Sidebar eine Box namens Programmhinweise, in welcher Links zu interessanten Artikeln, mp3s, etc. zu finden sind. Ein besserer Name dafür fiel mir leider nicht ein…

Die orientierungslose Generation

Gerade von einer denkwürdigen Geburtstagsparty zurück: 31. Geburtstag des besten Sandkastenfreundes. Die Handvoll Gäste besteht fast ausnahmlos aus alten gemeinsamen Schulfreunden/-innen und ehemaligen Kommilitoninnen. Man kennt sich also untereinander seit Jahren. Kennt die Eltern, Geschwister und Freunde des anderen. Hat gemeinsam auf Abi-Parties gefeiert, gemeinsam zum ersten Mal eine schwule Party besucht, sich bei Liebeskummer ausgeheult und von ersten Sexerlebnissen berichtet. Nun haben wir (fast) alle die magische Schwelle der 30 überschritten und stellen erschüttert fest: Keiner von uns hat ein wirkliches Ziel vor Augen, jeder irrt auf seine Weise orientierungslos durchs Leben.

Der Gastgeber wird zwar für seine halbe Lehrerstelle an einer Gesamtschule in meinen Augen fürstlich entlohnt und dürfte sich auch sonst um seine berufliche Zukunft keine Sorgen mehr machen, kann aber mit nun 31 Jahren noch keine Beziehung aufweisen, die länger als eine Woche gehalten hätte. Wird auch schwer, wenn man auf zwanzigjährige Boys steht und seit bald zehn Jahren Wochenende für Wochenende in den selben Clubs und Parties nach dem Traumprinzen sucht und sein wahres Alter bereits jetzt im gayromeo-Profil beträchtlich nach unten geschraubt hat. C., die einzige aus unserer Gruppe, die seit nun schon zehn Jahren in Lohn und Brot steht, ist von ihrem Verwaltungsjob bei der Bundeswehr dermaßen angeödet, dass sie zu Tode betrübt war, als ihre Bewerbung zu einem Afghanistan-Einsatz letzte Woche aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt wurde. Zwischendurch pflegt sie eine nicht ganz heimliche Fickaffäre mit einem verheirateten Familienvater Ende 40. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, ein geeigneter Vater ist allerdings nicht in Sicht. K. dagegen hat einen zweieinhalbjährigen Sohn, allerdings auch keinen dazugehörigen Vater und zwei Studienversuche und eine Ausbildung abgebrochen. A. wiederum hat nicht nur eine kaufmännische Ausbildung und ihr BWL-Studium mit Erfolg abgeschlossen, sondern auch einen gutbezahlten Job bei einem großen Energielieferanten gefunden und jettet in der Business-Class durch Europa. Unnötig zu erwähnen, dass ihr das graue Büro-Outfit, die Kollegen und ihre Arbeit zum Hals raushängen und im Bett tote Hose ist. Bei S. im Bett ist sicher mehr los, doch nach ihren 18 Semestern Lehramtstudium kann sie sich nicht dazu durchringen, eine Referendariatsstelle anzutreten und lässt sich stattdessen von ihrem wohlhabenden, älteren Freund aushalten. Ihre beste Freundin R. musste ihr Studium wegen eines Aufenthalts in der geschlossenen Abteilung für ein Jahr unterbrechen und ist nun Lehrerin an einer Hauptschule in Hamburg. Mit ihrem Freund hat sie vor einem Monat zum dritten Mal Schluss gemacht. W. ist wie jedes Jahr gar nicht erst zur Party erschienen, denn sie traut sich nicht allein mit dem Auto in die 50km entfernte Großstadt (Hannover) und bleibt lieber in dem Dorf, in welchem sie 29 ihrer 30 Lebensjahre verbracht hat, nachdem ihr Freund sie nach einjährigem Zusammenleben aus der Doppelhaushälfte geworfen hat, um eine andere zu heiraten und eine Familie zu gründen. Einziger Lichtblick der Runde ist M., der sein Medizinstudium selbstverständlich in der Regelstudienzeit absolviert hat und mittlerweile Arzt auf einer Intensivstation ist. Einziger schwarzer Fleck auf seiner ansonsten blütenweißen Weste: Seine in einer anderen Stadt wohnende Freundin sieht er höchstens vier Mal im Monat. Und schließlich ist da noch meine Wenigkeit, der eine bald siebenjährige Beziehung aufweisen kann (und immer noch verliebt wie am ersten Tag!), dessen beruflicher Lebenslauf allerdings eine einzige ziellose Irrfahrt ist.

Den Rest des Abends dann damit verbracht, D. zu beneiden über D. zu lästern, der nicht müde wird, per Telefon und E-Mail von seiner gutbezahlten Stelle als Abteilungsleiter bei Siemens in Süddeutschland, seiner supergutaussehenden Frau, seinem achsoschlauen Kind und seinem prächtigen Haus zu schwärmen.

Arvo Pärt

Arvo Pärt

Wer sich wie ich bisher gefragt hat, woher Dial-Produzenten wie Lawrence oder Pantha Du Prince ihre atemberaubenden Harmoniefolgen und Streicher-Sounds zaubern, dem lege ich das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt ans Herz.

Stücke wie Cantus in memoriam Benjamin Britten (für Streichorchester und Glocke) oder Festina lente (für Streichorchester und Harfe) zeigen deutlich auf, woher der typische, düsterromantische Dial-Sound stammt. Und ich würde fast meine Hand dafür ins Feuer legen, dass sich auch Massive Attack für Unfinished Sympathy bei letztgenanntem Stück bedienten.

Perfekt für den Einstieg in die Welt der minimalen Klassik ist diese CD.

Songs of the last weekend

Monrose – Shame
Justin Timberlake – LoveStoned/I Think She Knows Interlude
Tracy Thorn – It’s All True (Martin Buttrich Remix)
Partial Arts – Trauermusik
Echo Club – Señor Pasajero
Depeche Mode – Martyr (Booka Shade Full Vocal)
Depeche Mode – Everything counts (Oliver Huntemann and Stephan Bodzin Dub)
The Knife – Marble House (Rex The Dog SK-1 Remix)
Drei Farben House – On my side
AM/PM – Maratrea
Fat Freddy’s Drop – Cay’s Crays (Digital Mystikz Remix)
The Rice Twins – For Dan
Jay-Jay Johanson – Deja vu
Junior Boys – First Time
James Holden – 10101

Nächste Seite »