Nachbarschaft
Ein Blick über die Gärten gegenüber meines Wohnzimmerfensters offenbart an diesem sonnigen Sonntagmorgen eine Welt, in der man Existenzangst und HartzIV nur aus den Abendnachrichten kennt:
Das Mittdreißiger-Pärchen (er im weißen Polo-Shirt und Shorts und natürlich schweinegeilaussehend) mit geschätztem Jahreseinkommen von 90.000 € schmiegt sich nach dem Frühstück gemeinsam auf einer Teakholz-Sonnenliege aneinander. Zwei Häuser weiter sitzt ein Endvierziger-Pärchen am mit einem Strauß Blumen geschmückten Frühstückstisch: Sie ist in ihr Buch vertieft, er blättert in der Sonntagszeitung (vermutlich der Wirtschaftsteil). Gleich wird das Hausmädchen kommen und den Tisch abräumen. Im nächsten Haus schläft noch alles. Neidisch bin ich jedoch auf das riesige Gitterbett, vollgepackt mit plüschigen Kissen, das man hier auf die Terrasse gestellt hat. Wie aus dem IKEA-Katalog! Pure Idylle auch im letzten Haus: Hier flechtet Mutter (auf dem Rand der Holzsandkiste sitzend) dem Töchterchen (im Blümchenkleid) einen Pferdeschwanz ins blonde Haar, während Sohnemann auf dem Trampolin springt und Vater (graumeliertes Haar, Typ Chefarzt) eine Hängematte zwischen zwei Bäumen anbringt. Im Hintergrund hoppelt ein Kaninchen durch das grüne Gras.
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