Kompakt Extra
Vielleicht sollte man Kompakt doch noch nicht abschreiben: Nachdem mich die Tracks auf dem einstigen Lieblingslabel in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr angeprochen haben, erscheint auf dem Sublabel Kompakt Extra – im Volksmund auch Speicher genannt – plötzlich ein Techno-Meilenstein nach dem anderen:
Aufhorchen ließ mich bereits die monumentale Speicher 46 von Motiivi Tuntematon, ein Zeitlupenravemonster, das (in einer besseren Welt) auch als Members-of-Mayday-Hymne durchgehen könnte. Ein dickes Grinsen auf meinem Gesicht erzeugte dann Sog 1.1 auf der Speicher 49: Ein ultraminimaler Track, bestehend aus einer Bassdrum und drei oder vier weiteren Geräuschen, wird plötzlich um ein völlig deplaziert wirkendes, schmalziges Flötensample ergänzt, welches so manchen Minimal-Hipster aus dem Rhythmus bringen dürfte. Grandioser Einfall und die wichtigste Technoplatte sein Jahren! Auf die Spitze treibt es nun aber die Speicher 52 von Perc & Fractal: Der Original-Mix besteht aus nichts als einer metallischen Frequenz, die über 8:20 Minuten immer weiter in die Höhe geschraubt wird, bis es schmerzt – kein Beat, sonst gar nichts. Stattdessen ein Manifest an die Grundfesten von Techno, eine Ode an die Zeit, in der Techno keine Kuschelmusik war, sondern weh tun sollte, und ein wichtiges Statement zur Lage der Technonation, die von immer gleicher klingenden Minimalplatten inflationiert wird.
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