Der Fall Amstetten wirft in extremer Form eine Frage auf, die mich schon seit langer Zeit beschäftigt: Wieso bemerken Frauen nicht, was Ihre Männer treiben? Oder wollen sie es einfach nicht wahrhaben?
Als promisk lebender schwuler Mann bekommt man natürlich einen besonderen Einblick hinter die Lebenskulissen vieler vermeintlich braver Familienväter und man fragt sich, wie sie es schaffen, ihr häufig doch sehr freizügiges Doppelleben vor den Augen der Ehefrau und dem Rest der Familie geheim zu halten.
Aktuellstes Beispiel aus meiner alten Heimatstadt: Ein verheirateter Vater von zwei Kindern und Mitglied im Kirchenchor trifft sich seit nunmehr 3 Wochen täglich(!) mit einer Gayromeo-Bekanntschaft auf einen Feierabendfick. Klassische Ausrede zuhause: Überstunden. Frau wird auch nicht misstrauisch, als er in dieser Woche auf dem Rückweg vom Fickdate, weit ab vom eigentlichen Weg zur Arbeit, sein Auto in einen Straßengraben setzt. Er musste halt noch Besorgungen machen. Am nächsten Tag ging es mit dem Leihwagen zum Schäferstündchen.
Beispiel Nummer 2: Ein langjähriger Chatfreund aus Prag (leider noch nie persönlich getroffen) schickt mir in ein und derselben E-Mail Fotos von sich und seiner Gattin als stolze Großeltern (mit 42, die fangen früh an, die Tschechinnen) mit der neugeborenen Enkeltochter auf dem Arm – und aus seinem Arsch tropfenden Sperma in Großaufnahme, aufgenommen auf einer Wochenendorgie in seiner eigenen Ferienhütte. Seine Frau wähnte ihn in dieser Zeit auf Geschäftsreise…
In Heterokreisen sieht es im Übrigen nicht anders aus: Eine Freundin führt seit Jahren eine Beziehung mit einem verheirateten Mann und Vater. Selbst gemeinsame Urlaube sind möglich. Für seine Familie ist der dann schlicht und einfach mit Kumpels unterwegs.
Vielleicht bin ich selbst aber auch einfach nur ein schlechter Lügner: Als ich letzte Woche nach Feierabend noch einen halbstündigen Stopp im Pornokino neben der Autobahn einlegte und später zuhause meiner besseren Hälfte verkündete, ich hätte im Stau gestanden, bekam ich nur mit einem milden Lächeln entgegnet: “Den haben sie im Verkehrsfunk aber gar nicht durchgesagt” …