Jóhann Jóhannsson – Fordlândia

Dieses Album ist der Nachfolger zum unglaublichen IBM 1401, A User’s Manual und wieder verarbeitet Jóhann Jóhannsson in seiner Musik Themen wie künstliche Intelligenz und amerikanische Markennamen. Fordlândia ist heute eine Geisterstadt in der Nähe von Santarém in Amazonien, in den 1920er Jahren jedoch erwarb die Ford Motor Company hier ein 10,000 km² großes Stück Urwald, um dort eine Kautschukplantage zu errichten. Die eingeborenen Arbeiter sollten hier wie in einer amerikanischen Kleinstadt leben, Arbeitszeiten wie in Nordamerika (von 6 bis 15 Uhr) einhalten und sich an die amerikanische Lebensweise gewöhnen – das Projekt schlug jedoch auf der gesamten Linie fehl.
Wie Jóhann Jóhannsson diesen Background in seine Musik hat einfließen lassen, bleibt mir zwar schleierhaft (die Stücke klingen in meinen Ohren eher nach Island als nach brasilianischem Urwald), doch das tut dem Hörgenuss natürlich keinen Abbruch. Jóhannsson dirigiert das Prager Orchester, mit dem er auch schon sein letztes Werk eingespielt hatte, durch dramatische Streicherlandschaften und lässt im Hintergrund dezent die Elektronik brummen. Highlight des Albums ist das fast 14-minütige Titelstück, dass einen vor lauter Grazie und Schönheit weinend auf die Knie fallen lässt.
Abgelegt unter: Allgemein
No Comments


