Das einzige Thema neben dem Credit Crunch, dass die Briten zur Zeit interessiert, ist das Drama um Jade Goody, die durch Big Brother zweifelhaften Ruhm erlangte, in dem sie durch rassistische Äußerungen auffiel, Rio de Janeiro für eine Person gehalten hatte und nicht wusste, welche Sprache man in den USA spricht.
Mittlerweile ist Jade Goody jedoch an Krebs erkrankt und hat durch eine Chemotherapie ihre Haare verloren und nur noch wenige Wochen zu leben. Diese nutzt sie jedoch intensiv, um schnell noch millionenschwere Verträge an Land zu ziehen: Kein Tag vergeht, an dem Jade Goody’s Glatzkopf nicht von den Titelseiten der britischen Klatschpresse blickt und man fragt sich, wieso sie zum Sterben nicht ins Big-Brother-Haus zurückkehrt. Das gäbe doch sicher traumhafte Quoten. Die Diagnose erhielt Jade Goody übrigens vor laufenden Kameras im indischen Big-Brother-Container. Hier wurde sie vom Big Boss ins sogenannte Beichtzimmer gerufen und bekam per Telefon mitgeteilt, dass sie an Gebärmutterhalskrebs erkrankt ist – während die Kameras erbarmungslos auf ihr weinendes Gesicht gerichtet waren (siehe Filmausschnitt oben). Ich frage mich, ob so etwas in Deutschland auch möglich wäre und selbst Jade Goody hielt diesen Moment im ersten Augenblich für einen PR-”Gag”. Vielleicht war es aber auch einfach die Rache der Inder, denn schließlich war Jade Goody im indischen Container als Gast zur Buße, da sie beim britischen Celebrity-Big-Brother eine indische Schauspielerin beleidigt hatte.
Und nun hat sie am Wochenende sogar noch medienwirksam geheiratet. Die dadurch eingenommenen Millionen sollen übrigens in die Bildung ihrer Kinder investiert werden.
Edit: Heute von meinem englischen Freund am Telefon erfahren, dass der Krebs sich mittlerweile auch im Gehirn von Jade Goody eingenistet hat und sie vermutlich nur noch wenige Tage, wenn nicht gar nur noch Stunden zu leben hat.
Gestern Abend bei den Brit Awards erhielten die Pet Shop Boys einen Award für ‘Outstanding Contribution To Music’. Als Dankeschön führten sie dieses wunderbare Best-of-Medley auf – begleitet von Brendan Flowers von The Killers und Lady Gaga.
Ich bin mit dem Vorhaben nach London gefahren, den Geist von Dubstep und Drum & Bass in mich aufzusaugen. Zurückgekommen bin ich jedoch mit einer Begeisterung für… Girl Pop. Schuld daran ist mein Gastgeber, der sämtliche Mitglieder von Girls Aloud mit Namen kennt und beim Anblick eines Drittels von Mis-Teeq in den Straßen von Soho in schieres Verzücken geriet – was man von einem 45-jährigen Bänker mit dem 10-fachen meines Einkommens nicht unbedingt erwartet hätte. Abends im Pub wurde voller Begeisterung den gleichaltrigen Freunden von der Zufallsbegegnung berichtet und neidische Blicke geerntet.
Doch schon bald verstand ich, was Girl Pop in London wirklich bedeutet: Der Radiosender Capital FM pumpt die Hits von Britney und Rihanna, Estelle und Shontelle, Cheryl Cole und Alesha Dixon rauf und runter. Die meisten Namen hat man hier in Deutschland noch nie gehört, und wird sie vermutlich auch niemals hören, denn im Gegensatz zu Monrose und Sarah Connor ist dieses hier perfekte Popmusik. So wie damals in den 80ern, als London die Hauptstadt der Popmusik war und man beim Lesen der Bravo glaubte, in London können man keine zehn Meter auf der Straße gehen, ohne nicht zumindest einen weltbekannten Popstar getroffen zu haben.
Die Erde hat sich in der Zwischenzeit zwar weitergedreht, doch in London gibt es ihn noch, diesen Originalgeist der Popmusik. Und so höre ich nun bereits zum mindestens 15. Mal hintereinander die neue Single von Girls Aloud: The Loving Kind – produziert von den Pet Shop Boys – und weine bittere Tränen, dass ich gestern nicht bei meinen neuen Londoner Freunden weilen durfte, die sich gemeinsam vor dem Fernseher versammelt haben, um die Brit Awards zu schauen (welcher geistig einigermaßen Gesunde würde hier bei uns in Deutschland jemals die Echo-Verleihung gucken??).
Am Samstag musste ich – als notorischer Nicht-Tänzer bekannt – in der East End Gay Dance Bar White Swan von der Tanzfläche gezerrt werden. Vodka-Orange macht’s möglich. Zu verführerisch war aber auch die musikalische Mischung aus Bananarama und anderen Stock/Aitken/Waterman-Klassikern, Rihanna, Britney und allermöglichem Handbag-House. Meinen tänzerischen Höhepunkt erreichte ich dann unvorstellbarer Weise zu Beyoncé’s Single Ladies (eine Engänderin raunte mir ein You’re such a good dancer ins Ohr – kein Scheiß!), gemeinsam mit Jennifer Hudon’s Spotlight sowieso die Hymne dieses berauschenden Wochenendes. Übrigens: Schon zum Frühstück Girl-Pop bei voller Lautstärke verjagt im Handumdrehen jeden Kater und jegliche Ermüdungserscheinungen – zu schade, dass der Stream von Capital FM hier in Deutschland nicht funktioniert.
Ausblick bei Nacht vom Balkon eines Freundes.
Eastern Quay (Bild oben) und Royal Victoria Dock – für 4 Tage meine Adresse.
TH.2058 – Installation von Dominique Gonzalez-Foerster in der Turbinenhalle der Tate Modern.
“Fancy Dress Parties” haben in Groß Britannien Tradition: Die Briten stehen einfach darauf, sich zu verkleiden – man denke nur an Prinz Harry in seiner Nazi-Uniform. Am Valentinstag feiert man deswegen gerne eine “Tarts and Vicars”-Party, bei der sich die Männer als Schlampen und die Frauen als Priester verkleiden (wenn eine Horde Schwuppen den Laden stürmt, geräte diese Ordnung jedoch auch mal schnell durcheinander). Hier einige Impressionen von der “Tarts and Vicars”-Party in Booty’s Riverside Bar im Londoner East End:
Alesha Dixon war mal Mitglied bei der Girl-Group Mis-Teeq, die zwischen 2001 und 2003 eine Reihe von Hits hatten – ich habe allerdings keine Ahnung wo. Nach der Auflösung der Band versuchte Sie sich zunächst erfolglos an einer Solokarriere, doch erst die Teilnahme an der Tanzshow Strictly Come Dancing – die sie nach 12 Runden gewann – brachte ihr ihren ersten eigenen Top-10-Hit. Und das tolle an Groß Britannien ist ja, das man dort selbst die Singles solch fragwürdiger Pop-Sternchen gut finden darf, ohne sich schämen zu müssen. Dieser Song aus dem Album The Alesha Show läuft jedenfalls auf BFBS rauf und runter und verfügt nicht nur über einen coolen Electro-Beat, sondern auch noch über einen Refrain, der nicht mehr aus dem Ohr geht.
So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr, die Vorfreude ist kaum noch auszuhalten: Noch vier Tage arbeiten, und dann geht es raus aus der ostwestfälischen Provinz, nach London. Meinen erst vor ein paar Wochen kennengelernte Urlaubsbekanntschaft wiedersehen. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten täte, dass ich nicht gespannt wie ein Flitzebogen auf die Wohnung meines Gastgebers in diesem architekturpreisgekröntem Gebäude in den Royal Victoria Docks wäre. Appartement mit Blick auf’s Wasser inklusive. Oh Mann, vielleicht bleibe ich gleich dort…
Wenn einem beim Durchskippen schon fast jeder Song gefällt, dann darf man auch mal wieder einen Blog-Beitrag verfassen: Lily Allen kannte ich bisher eigentlich nur durch die Single Smile von ihrem letzten Album. Im Zuge meiner momentanen England-Euphorie dann aus Neugier mal in ihr neues Album It’s Not Me, It’s You reingehört – und ich bin begeistert. Dass Lily Allen nun plötzlich quietschbunten Elektro-Pop macht, kann ich nur gutheißen, denn mit den Reggae- und Ska-Einflüssen ihrer ersten Platte konnte ich nun wirklich nicht das Geringste anfangen. Aber diese Songs hier hört man gerne mal von vorn bis hinten, und zwar nicht nur im Autoradio. Mein Lieblingssong der Platte ist das melancholisch-euphorische I Could Say, das einen unweigerlich an die besten Momente der Pet Shop Boys denken lässt. Lange nicht mehr einen so schmissigen Ohrwurm gehört.
Hier im Blog tut sich nicht mehr allzu viel, bei Twitter fehlen mir Bilder, Sound und Videos – vielleicht ist ja mein tumblr-Account von nun an die ideale Lösung, mich im Netz darzustellen. Sieht jedenfalls schon ganz vielversprechend aus. Endlich mal wieder was Neues…