Man mag ja gar nicht glauben, dass solch perfekte Housetracks von einem Babyface wie Manuel Tur kommen – und dann auch noch mitten aus dem Ruhrgebiet! “Will be mine” mit Vocals von Alexander East ist die erste Auskopplung aus seinem gerade erscheinenden Album „0201“ (benannt nach der Vorwahl seiner Heimatstadt Essen) und enthält ganze sechs Stücke. Mein Favorit sind der Arto Mwambe Vocal Mix, der das doch recht soulige Original in einen slammenden Chicago-House-Track verwandelt, und mich an Round One’s I’m your brother (vielleicht der beste Housetrack aller Zeiten) erinnert, sowie der Bonustrack “Stay” im 12 Inch Extended Instrumental Mix. Der Ian-Pooley-Remix des Titeltracks ist mir allerdings zu, äh, housig.
Groß Britannien – das Land, in dem es mehr Musikstile als Einwohner gibt und hier schon wieder so eine typisch britische Killerplatte: Auf der A-Seite zwei Dubstep-Tracks mit Basic-Channel-Einschlag von Ike Release – auf der B-Seite dann das totale Gegeteil: Unverschämt losrockender Bassline House von Hot City. Und gerade weil diese beiden Tracks doch irgendwie ein wenig billig klingen, finde ich sie so faszinierend – die coolsten Tracks kommen halt immer noch auf englischen Kinderzimmern!
Mein lieber Scholli, diese Compilation zieht einem ja die Schuhe aus: Man möchte einfach nur noch seine Stereoanlage aufdrehen und durch die Decke springen! 7 x 7 Beat ist eine komplette Zusammenfassung einer Serie (sämtliche Tracks wurden zuvor auf 7″ veröffentlicht) und gibt einen grandiosen Überblick über eine Szene, die sich einfach in keine Schublade stecken lässt: Dubstep ist es nicht. Elektonisch und soulig schon sehr. Nennt man das Wonky? Tatsächlich ist es wohl am ehesten futuristischer Hip-Hop, bei dem kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Gesamplet wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, die Samples werden bis ins kleinste Detail auseinandergenommen und an anderer Stelle wieder neu zusammengefügt- und zwischen all den rumpelnden Beats ist sogar Platz für Ambientpassagen.
Anspieltipps:
Onra – My Comet
Mweslee – Chandal 500
Mike Slott – My Light Bridge
Von 1991?! Ergreifend sind ja auch immer die Erinnerungen an die gute, alte Zeit in den youtube-Kommentaren (“1992 high school prom? back in zimbabwe, awesome memories”).
Dieses Kleinod der elektronischen Disco habe ich schon vor längerer Zeit gekauft, aber ganz vergessen, darüber zu schreiben. I’ll keep on loving you klingt, als müsse man ihm einen Stups geben, ist aber tatsächlich so langsam und lullt einen mit seinen verwaschenen Vocals und der sphärigen Gitarre schnell ein. So würde 70-Jahre-Porno-Musik heute klingen.
“Living without your love” geht dann schon mehr in die vollen, erinnert durch seinen Beat und die markante Bassline ein wenig an Queens “Another one bites the dust”. Dazu noch ein funky Gitarrenlick und eine spacige Synthie-Melodie und fertig ist die perfekt Mischung aus Deep House und Euro-Disco.
Na toll, Claude Vonstroke macht auf Aundy genau das, was ich schon lange mal vorhatte: Er bastelt einen Housetrack aus den guten soften Drum & Bass-Sounds der 90er-Jahre, mit viel Vibraphon und Flächen und diesen typischen LTJ-Bukem-Bässen. Zwar fehlt dem Titel irgendwie der Höhepunkt, trotzdem könnte ich das stundenlang hören und hätte gerne ein ganzes Album in dem Stil.
Uh, diese Platte ist bereits 2004 zum ersten Mal erschienen. Der Titeltrack von Linkwood Family beginnt mit einem ausgedehnten Rhodes- und Saxophon-Intro, welches nach einigen Minuten vom Beat und Frauengesang (“No, it doesn’t really matter to me”) begleitet wird und in gemächlichem Tempo vor sich hin groovt. Das dürfte allen Moodymann-Fans gefallen.
Das kurze Getting Togetha von Fudge Fingas kickt dann mit seiner pappigen Bassdrum schon ein wenig mehr und bringt einen trotz Zeitlupentempo zum Tanzen. Das Vocal-Sample (“When will people start getting together again”) erinnert mich an die Nebraska-Platte, die ich vor einiger Zeit hier im Blog vorgestellt hatte, und stammt laut kurzer Google-Recherche von Marvin Gaye.
Fate, der dritte Song der Platte, war mir dann aber doch zuviel Soul, so dass ich ihn mir nicht runtergeladen haben (Gott segne Mp3-Shops!).
“Bezaubernd” ist sicherlich die richtige Beschreibung für die Platte von Cooly G auf Hyperdub. Damit meine ich vor allem die Stücke Love Dub und Love Dub Refix auf der B-Seite, auf denen Cooly G ihre eigenen Vocals (“It must be love”) über den Track schweben lässt. Erinnert mich an softe Drum & Bass-Tunes der frühen 90er-Jahre und gefällt mir vermutlich genau deswegen so gut. Der Refix unterscheidet sich übrigens nicht besonders vom Original, außer dass der Beat vielleicht ein wenig direkter kickt.
Das Hauptstück Narst soll vermutlich der eigentliche Hit der Platte sein, da es mit Dubstep nicht besonders viel zu tun hat und von einer geraden Bassdrum angetrieben wird, das Streicher-Sample ist mir aber auf Dauer zu monoton und nervig.
Das ist eine Überraschung: Nach langer, langer Zeit mal wieder ein Album auf Morr Music, das ich mag. Und dann auch noch von Masha Qrella, dabei war ich doch jedem typisch Berliner Sound (von Techno bis Pop) ziemlich überdrüssig geworden.
Masha Qrella spielt auf ihrem neuen Album Speak Low ausschließlich Lieder der zwei deutsch-amerikanischen Komponisten Kurt Weill, der 1928 in Deutschland mit Bertolt Brecht die Dreigroschen-Oper schrieb, und Frederick Loewe, aus dessen Feder Welthit-Musicals wie My fair Lady entstanden sind. Das Berliner Haus der Kulturen der Welt veranstaltete anlässlich seines 50 jährigen Bestehens im Jahr 2007 eine Reihe „New York – Berlin“, zu dem Kompositionen von Kurt Weill und Frederick Loewe zur Interpretation standen.
Zu der ungewöhnlichen Kombination Qrella/Musical kam es, als das Berliner Haus der Kulturen der Welt anlässlich seines 50 jährigen Bestehens im Jahr 2007 eine Reihe „New York – Berlin“ veranstaltete un der verantwortliche Kurator wissen wollte, ob die Songs „rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen, inwieweit sie in den Popkosmos von heute integrierbar waren, oder nur noch zu Ballhaus-Nostalgie oder Fernsehballett-Banalität taugten.“
Interessanter Weise hört man keinem der Songs des Album seine Musical-Wurzeln an. Das mag einerseits vielleicht schade sein, andererseits schenkt uns Morr Music mit diesem Werk mal wieder ein wunderbares Stück Pop-Musik.
Welch eine Entdeckung: Den Namen Art Bleek hatte ich schon häufiger gelesen, mich aber nie weiter für den Mann interessiert – bis mir gestern diese EP auf dem niederländischen Label Klakson untergekommen ist. Darauf präsentiert der Franzose Art Bleek drei sehr jazzige Tracks, die eigentlich mehr Italo-Disco als House sind. Man stelle sich eine Mischung aus Larry Heard und Metro Area vor, dann kommt man dem Sound dieser Platte schon sehr nahe. Ich habe gelesen, dass Art Bleek auch live mit Saxophon und Piano auftritt, und irgendwie kann ich mir auch sehr gut vorstellen, wie diese Songs von einer Band gespielt werden.