Sven Weisemann – Shove EP [a.r.t.less2193]

Sven Weisemann ist einer der wenigen Produzenten, bei dessen Namen ich noch feuchte Finger bekommen, wenn ich ein neues Release erblicke – besonders, seitdem er sich vom Dubtechno entfernt hat und an der viel zu lange vernachlässigten Schnittstelle zwischen IDM und Detroit arbeitet.

Auf dieser EP für das Mojuba-Sublabel a.r.t.less huldigt Sven Weisemann seinem großen Idol John Beltran: Limaro 1 & 2 sind kurze Ambientstücke voller jauchzender Melodien und flirrenden Hi-Hats, und mit Redux hat sogar noch ein Dubtechno-Track in Basic Channel-Tradition auf der Platte Platz. Nur den öden Bollertrack Trackz hätte er sich echt sparen können.

Nun warte ich auf das Piano-Album von Herrn Weisemann – bis dahin begnüge ich mit seinen Klaviervideos.

John Roberts – Mirror [dial46]

John Roberts hat erst drei Maxis veröffentlicht und ist trotzdem schon eine Legende. Seine zweit Platte für Dial ist zwar nicht ganz so spektakulär wie die erste, doch trotzdem immer noch ziemlich weit draußen und selbst mit den restlichen Dial-Acts kaum zu vergleichen (hab ich übrigens schonmal erwähnt, dass ich mit Efdemin wirklich nicht das Geringste anfangen kann? Der war in meinen Ohren immer nur ein schwacher Lawrence-Imitator. Aber ich schweife ab….), da einfach viel housiger…

Auf John Roberts’ neuer EP dominieren die deephousetypischen Orgelakkorde – allerdings werden diese gerne mal in recht ungewöhnlichen Tonfolgen abgespielt oder an Stellen im Groove platziert, in denen man sich nicht auf Anhieb vermutet hätte (eine Taktik, die Labelchef Lawrence ja in seinen frühen Tracks perfektioniert hatte). Der Downbeat-Track Pruned am Ende ist dann zwar nicht so mein Ding (weil eben Downbear), aber Mirror und Maroon gehören zum Soundtrack meines Sommers.

An der Nordseeküste

Exotisch Urlaub machen: Mal nicht Mallorca oder Gran Canaria, sondern an der Nordsee im ostfriesischen Neuharlingersiel (welches übrigens fest in asiatischer Hand ist).

Deep House Mix: Sweet Smelling Paradise

Nachdem ich in den letzten Wochen diverse MP3-Shops nach gute Deep-House-Stücken abgesucht hatte, habe ich heute endlich einen neuen Mix fertiggestellt, den ich einer breiten Öffentlichkeit präsentiert möchte. Der Mix stellt eine Quersummer zweier weiterer DJ-Mixes dar, die ich bereits auf twitter gepostet hatte – dabei handelte es sich jedoch um spontan zusammengestellte Sets, welche leider auch einige Mixing-Fehler enthielten. Für Sweet Smelling Paradise habe ich nun noch einmal die besten Stücke aus den vorangegangenen Sets ausgewählt und in einer neuen Reihenfolge aneinandergefügt und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden.

Der Mix beginnt mit zwei sehr voluminösen, unendlich tiefen Progressive-House-Tunes, begibt sich dann mit Alton Miller jedoch auch bald in souligere Gefilde. Jedoch ist es für mich beim Auflegen ganz natürlich, dass ich nicht das gesamte Set über stur ein und den selben Stil fahre – somit gibt es gegen Ende noch einmal einen Ausflug in 90er-Jahre-Mainstream-House. Eigentlich sollte Track 14 den Schlusspunkt des Sets bilden, doch wollte ich den Hörer nicht auf einem solch hohen Euphorie-Level aus dem Mix verabschieden, so dass es zum Schluss noch einen zusätzlichen Track zum Runterkommen gibt. Da dieses letzte Stück ungeplant und spontan in den Mix mit eingeflossen ist (sowas passiert halb beim Live-Auflegen), wird der Titel im Tracklisting nicht genannt.

01. Playone – Never

02. Submantra – Sweet Smelling

03. Alton Miller – Who Am I?

04. Dubbyman – Sunday Manifesto (Rick Wade Sunday Fear Mix)

05. Kai Alce – Ooohhh! (Dubbyman Remix)

06. Mina Jackson And The Children – Pray (Mike Dunn’s Blackbal Vocal Mix)

07. Vincenzo & Duffer Swift – Got to be

08. Sascha Dive – Jed Clayton (Samuel Davis Dark Beat Mix)

09. Chelonis R. Jones – Pompadour (Gorge Remix)

10. Doomwork – Lost In Memory (Aki Bergen Remix)

11. Manuel Tur & DPlay – Deviate

12. Shonky – Chocotox

13. Pet Shop Boys – Before – (Danny Tenaglia Classic Paradise Mix)

14. Photek – Mine To Give (David Morales Mix)

15. Bonus Chill Out Track

Runterladen kann man sich das Werk hier: Sweet Smelling Paradise (1h35min Deep House Mix)

Kettel – Myam James 1 & 2 (Sending Orbs / SO 010)

Sensationell! Ich habe dieses Album von Kettel bei Twitter ja schon als Album des Jahres betitelt – allerdings ohne zu wissen, dass Teil 1 bereits im vergangenen Jahr erschienen ist. Ist aber auch egal, denn ich bin sprachlos vor Begeisterung, und versucht zu sagen, dass dies die tollste Musik ist, die mir jemals im Leben zu Ohren gekommen ist.

Kettel, der im richtigen Leben Reimer Eising heißt, ist schon seit Jahren in der IDM-Szene unterwegs – bisher waren mir seine Beats aber meist zu frickelig und die Sounds zu glitchig. Auf Myam James schmeißt er nun alles experimentelle über Bord und macht stattdessen einfach nur tolle Musik: Auf Myam James Part 1 macht sich vor allem eine Roland 303 bemerkbar, die fast in jedem Song vor sich hin zwirbelt. Dazu gibt es für IDM-Verhältnisse ziemlich rockende Beats und man würde sich wünschen, dass DJs solche Songs auch mal auf der Tanzfläche spielen würden.

Myam James Part 2 verzichtet dann weitesgehend auf Acid-Basslines und konzentriert sich eher auf die ruhigen Momente im Leben: Zwar gibt es auch hier einige Stücke, die mehr nach vorne gehen – der Großteil ist aber eher fast Kammermusik. Romantische Pianominiaturen, traurige Streicher und sogar ein Spinett gibt sich die Ehre, was dem ganzen einen gerade barocken Touch gibt.

Was beide Alben gemeinsam haben, sind die wunderbaren Melodien: Bittersüß und  kitschig, zwischen Klassik und Techno, perfektioniert Kettel auf Myam James 1 & 2 den Sound, den Aphex Twin, Plaid und Boards Of Canda einst begründet haben. In Zukunft muss sich alles, was als Intelligent Dance Music bezeichnet werden möchte, an diesem doppelten Meisterwerk messen lassen.

Weezer – The 8-bit Album

Meine Fresse, das rettet mir gerade den Tag: Ein Album voller Weezer-Songs in 8-Bit-Versionen. Da weiß man doch wieder, wofür Netlabels da sind! Lassen wir das Tracklisting mal für sich sprechen:

  1. Island In The Sun (Belmont’s Revisal) – videogame orchestra
  2. Holiday – Anamanaguchi
  3. El Scorcho – Tugboat
  4. The World Has Turned And Left Me Here – Bit Shifter
  5. You Won’t Get With Me Tonight – PDF Format
  6. Hash Pipe – seal of quality
  7. In The Garage – OxygenStar
  8. You Gave Your Love To Me Softly – :(
  9. We Are All On Drugs – Rabato
  10. Jamie – Unicorn Dream Attack
  11. Come To My Pod – Mahamajama
  12. Why Bother? – I Fight Dragons
  13. Buddy Holly – nordloef
  14. I Do – arcadecoma.

Gleich auch mal die anderen Releases des Labels checken: A video game music netlabel – www.ptesquad.com

Bovill – Transfesa [Meanwhile]

Eine Platte mit vier Stücken, von denen kein einziges schlecht ist, findet man auch nicht mehr alle Tage. Bovill ist dies mit der Transfesa EP auf Meanwhile jedoch grandios gelungen. Alle vier Stücke sind unübertreffliche Belege dafür, welch ergreifende Musik man mit analogen Maschinen erschaffen kann: Unterlegt mit 808-Samtpfoten-Beats und angetrieben von sanften, tiefen Bässen perlen die wunderbarsten, kristallklaren Synth-Sounds wie Wassertropfen nach einem warmen Regenschauer aus den Boxen. An diesen Stücken klebt kein Schmutz, sie sind wir glitzernde Lichter auf einer Autobahn bei Nacht.

Tin Man

In den letzten Wochen bin ich einige Male über den Namen Tin Man gestolpert und hatte aus irgendeinem Grund sofort das Gefühl, dass sich hinter diesem mysteriösem Pseudonym etwas ganz Besonderes verbirgt, ihn dann aber wieder aus meinem Gedächtnis verdrängt. Laut seiner myspace-Seite verbirgt sich hinter dem Namen Tin Man ein Finne namens Johannes Auvinen mit kalifornischen Wurzeln, der mittlerweile in Wien lebt und gerade auch ein Album auf Cheap veröffentlicht hat. Gestern dann irgendwie auf seine Homepage geraten und mir dort zwei Mixe runtergeladen: Den Acid-Mix und den Wasteland-Mix – und beide Mixe sind die merwürdigsten und deepsten Spielweisen elektronischer Musik, die mir seit Jahren untergekommen sind.

Der Acid-Mix scheint dem Dateinamen nach ein Liveset zu sein. Wie der Name schon sagt, beruht dieses Liveset zum einen aus deepestem 303-Gezwirbel, wie man es seit Phuture oder Larry Heard nicht mehr gehört hat – zum anderen tauchen aber auch immer wieder Pop-Zitate auf, u.a. von Inner Citys Big Fun und Snaps The Power.
Absolut unfassbar wird es dann aber im Wasteland-Mix: Gleichzeitig vollkommen oldschool und absolut futuristisch, im Stile alter Acid- und Sähkö-Platten mit einfachsten Mitteln produziert, düster, maschinell und kalt, doch mit soviel Gefühl produziert, dass man vor seinen Boxen auf die Knie gehen möchte. Doch anstatt in uralte Technoclichés abzudriften, schlägt Tin Man einen eleganten Haken, indem er anfängt, zu seinen Tracks zu singen – wie man auch in diesem Musikvideo hören kann:

Michael Jackson – Dangerous

Glaubt mir jetzt wahrscheinlich kein Mensch, aber dieses Album wollte ich schon seit Jahren hier im Blog anpreisen, da es wirklich ein Meisterwerk (elektronischer) Popmusik darstellt.

Markantestes Merkmal von Michael Jacksons Dangerous-Album ist die Kombination aus knallenden Beats und zarten, zuckersüßen Melodien – beste Beispiele hierfür sind Songs wie In The Closet oder das Titelstück Dangerous. Außerdem beinhaltet Dangerous meinen allerliebsten MJ-Song ever: Who is it? schwebt auf einer Wolke von warmen Synthieflächen dahin, und selbst die Panflöte, die sich gegen Ende mit den himmlischen Streichern paart, wirkt nicht kitschig, sondern passt einfach perfekt. Einziger Kritikpunkt des Album ist das schmalzige Heal the world – aber bei 14 Stücken kann man das auch ganz einfach überspringen.

“Schaut her, wir sind schwul!!!”

Wie weit ich mittlerweile von jeglichem schwulen Leben entfernt bin, erkennt man vor allem daran, dass ich erst aus den TV-Nachrichten erfahren habe, dass heute der CSD in Köln stattfand. Und die Fernsehbilder von Männern in Frauenkleidern oder Latexanzügen unterstrichen mal wieder meine Abneigung gegen solche Veranstaltungen: Die Homosexuellen haben mal wieder alles gegeben, um die Vorurteile der Heteros zu bestätigen – und dann wundern sie sich auch noch, dass Homosexualität in gewissen Kreisen noch immer als – sagen wir mal “merkwürdig” – angesehen wird.

Denn die Rechnung ist doch ganz einfach: Solange sich Homosexuelle nicht selbst als “normal” akzeptieren, wird Homosexualität auch in der Gesellschaft niemals als “normal” akzeptiert werden. Und das geht nicht, solange sich die Schwulen ausschließlich über ihre Sexualität definieren, und selbst bei so trivialen Dingen wie Kneipen oder Partys ständig die sexuelle Orientierung im Mittelpunkt steht und nicht der eigentliche Mensch.