The Weeknd & Frank Ocean

Gestern bin ich gleich über zwei R’n'B und Soul-Alben gestolpert, die von ihren Erschaffern kostenlos zum Download ins Netz gestellt wurden. Das erste stammt von einem mysteriösen Künstler, der sich The Weeknd (unter dem Link gibt’s auch das Album-zip) nennt. Sein Album “House of Balloons” kreuzt Aaliyah mit Beach House und Burial und man kann schon jetzt davon ausgehen, dass diese Style in nicht allzu ferner Zukunft der heiße Scheiß sein wird. Kurz zusammengefasst: Next-Level-R’n’B.

Etwas traditioneller geht es bei Frank Ocean zu. Der hat schon Songs für Brandy und Justin Bieber geschrieben und das hört man seiner Musik auch an – was in diesem Fall jedoch durchaus als Kompliment gemeint ist. Nostalgia, Ultra – so der Titel des Albums – ist fett produziert und klingt so, wie man sich die letzte Kanye West-Platte gewünscht hätte. Vom Mainstream-Soul unterscheiden ihn (noch) Radiohead-Samples und ein Coldplay-Cover. Nach jeder Menge Frust mit seinem Label Def Jam hat Frank Ocean sein Album nun als kostenlosen Download ins Internet gestellt.

Stareaway – Learn how to love me

Ich war nie ein großer Fan von Markus Guentner oder der Pop-Ambient-Serie. Doch dieses Release von seinem neuen Projekt Stareaway (gemeinsam mit dem Sänger Heiko Badje von der Band La Grande Illusion) läuft hier nun schon seit Tagen auf Heavy Rotation. Es ist beeindruckend, wie der Titeltrack es schafft, ohne einen einzigen Beat derartige Zuckungen auszulösen, dass man sich auf der Stelle in esotherischem Ausdruckstanz versuchen möchte. Das hat auch Osunlade erkannt, der mit seinem Yoruba Soul Suite Remix gar nicht erst versucht, das Original zu toppen, sondern lediglich mit einigen wenigen, gut akzentuierten Percussion-Elenten das atmosphärische Pulsieren dieses Monstertracks untermalt. Eine durchgehende Bassdrum ist auch hier Fehlanzeige. Somit gebührt “Learn how to love me” die Ehre, einer der wenigen Clubtracks ohne Beat zu sein!

Die anderen beiden Songs der EP sind kristallklare Ambient-Pop-Songs mit einem gewissen Balearen-Flair. Herrlich altmodisch irgendwie, aber eine Platte, die die Zeit stehen lässt!

Destroyer – Kaputt (Merge)

“Kaputt”, das Album von Destroyer, ist bereits im Januar erschienen und trotzdem schon ein heißer Kandidat auf die Platte des Jahres”. Zuvor gab es schon neun Platten von Destroyer aka Dan Bejar, für mich ist “Kaputt” allerding die Erste – Indie-Rock ist halt nicht meine Baustelle.

Gott sei Dank hat Kaputt aber ich nicht im Geringsten mit Indie zu tun. Das Album ist reine Pop-Eleganz im Geiste von Prefab Sprout oder Roxy Music. Zarte, aber treibende Gitarren, halten sich dezent im Hintergrund. Wie UFOs schweben dagegen Saxophone, Trompeten und teilweise sogar Panflöten (glaube ich) über den Stücken und macht möchte ihnen nur noch zuwinken und ‘Nimm mich mit!’ zurufen. Zusammengehalten wird die Musik, die sich haarsträubend nahe am Kitsch-Abgrund entlang bewegt, von sanfter Elektronik, wie man sie aus den schönsten Momenten der Pet Shop Boys kennt.

Und dann ist da noch Dan Bejars Stimme: Dachte ich beim ersten Hören noch an einen zwielichten Psychopaten, der mit seinem säuselndem Organ Kinder in sein Auto lockt, erinnert mich seine Stimme in gewissen Momenten auf obskure Weise an den nasalen Gesang von Neil Tennant (schon wieder Pet Shop Boys).

Unbedingt erwähnen muss ich noch, dass Destroyer’s Kaputt nicht einen einzigen Ausfall enthält. Neun Hits auf einem Album – wann hat man das zuletzt erlebt?!?

Virgo Four – Resurrection (Rush Hour)

Heute möchte ich mal wieder den Versuch wagen, mein im Koma liegendes Blog zu neuem Leben zu erwecken. Die Compilation Virgo Four – “Resurrection” auf dem niederländischen Trüffel-Label Rush Hour bietet dazu einen willkommenen Anlass.

Genau wie Detroit Techno ist Chicago House eine Musikrichtung, mit der ich nie so richtig warm geworden bin. Zu pappig waren mir immer die Bassdrums, zu scheppernd die Snares und zu qietschig die Synths – und das schreibt einer, der sonst keiner Lofi-Eskapade abgeneigt ist und dem elitäre Diskussionen über Soundqualität (Vinyl vs. MP3, 198 kbit/s vs. 320 kbit/s) quer am Arsch vorbei gehen. Umso begeisterter bin ich von Resurrection, einer Sammlung von unveröffentlichten Tracks des Chicagoer Duos Virgo Four, die allesamt zwischen den Jahren 1984 und 1990 aufgenommen wurden.

Alle 16 Stücke des Album (auf der üppigen 5LP-Variante sind es sogar 30 Stücke) bleiben angenehm unauffällig unter dem Radar. Ansteller nervenaufreibender Jacktracks und schwülstiger (Italo-) Disco-Versuche gibt es gefühlvolle, meist instrumentale Miniaturtracks, die trotzdem Songcharakter aufweisen. Nicht auszumalen, wenn diese Klassiker für immer in der Versenkung verschwunden wären. Nun sorgen Virgo Four im Jahr 2011 dafür, dass die Geschichte von Chicago House fast 30 Jahre nach ihrer Entstehung noch einmal umgeschrieben werden muss.