PS22 Chorus “JUST DANCE” by Lady Gaga

Ich würde ja am liebste alle Videos vom PS22 Chorus hier posten, aber da es anscheinend keinen Top-10-Hit der letzten 12 Monate gibt, den dieser Schulchor noch nicht auf youtube gesungen hat, sucht euch eure Favoriten am Besten selbst raus ;-)

David Sylvian – Brilliant Trees

Ich hatte am Wochenende die Ehre, David Lieske von Dial Records in seiner Berliner Bleibe zu besuchen. Dabei deckte er mich nicht nur mit den aktuellen Dial-Releases ein (darunter die noch gar nicht erschienene Jubiläumscompilation 2010), sondern spielte mir auch noch Musik von David Sylvian vor, der aus unerfindlichen Gründen bisher völlig unter meinem Radar durchgeflogen war.

Zuerst ein wenig von der Stimme erschreckt, entfaltete sich der gesamte Zauber von Brilliant Trees, bei dem u.a. Holger Czukay (Can / Bass) und Ryuichi Sakamoto (Klavier) mitwirkten, im Maison Lieske. Auf itunes und youtube habe ich heute in weitere Werke von David Sylvian reingehört: Nicht alles trifft meinen Geschmack, vieles klingt mir zu sehr nach New Romantics, oder gar ethnolastig, doch zumindest Brilliant Trees und Darkest Dreaming sind die bewegendsten Songs, die ich seit langer Zeit gehört habe.

Berlin, März 2010

Bildungs-Separatismus zum Anfassen

Dieser SpOn-Artikel zum Bildungs-Separatismus rief mir wieder ein damit zusammenhängendes Thema ins Gedächtnis, über das ich hier im Blog schon lange schreiben wollte. Anders als in den restlichen Bundesländern, begann in Niedersachsen die Einteilung der Schüler in drei Schichten (Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten) nicht bereits nach der vierten, sondern erst nach der sechsten Klasse. Das fünfte und sechste Schuljahr verbrachte man in der sogenannten Orientierungsstufe, wo die Schüler lediglich in den Fächern Englisch und Mathe je nach Leistung in A-, B- und C-Kurse eingeteilt wurden. Das Gymnasialstufe dauerte in Niedersachsen also “nur” von der siebten bis zur dreizehnten Klasse.

Vom ersten Tag auf dem Gymnasium an, sollte ich für viele Jahre nie wieder auch nur den geringsten Kontakt zu Real- oder gar Hauptschülern haben. Während die Haupt- und Realschüler auf die Schule im Nachbarort gingen, besuchten wir das Gymnasium in der Stadt. Wenn wir Gymnasiasten morgens an der Bushaltestelle auf den Linienbus wartete, standen unsere ehemaligen Mitschüler an der Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite und warteten auf den Schulbus in die Gegenrichtung. Und auch im Konfirmandenunterricht saßen die Gymnasiasten fein säuberlich von den übrigen Konfirmanden getrennt. Auf der dreitägigen Konfirmadenfreizeit kam es bei der Zimmerverteilung zu ersten Klassenkämpfen. Als ich nach dreizehn Schuljahren mit dem Abiturzeugnis das Gymnasium verließ, wurde mir erst auf meiner Zivistelle bewusst, dass viele der gleichaltigen Zivi-Kollegen zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre im Berufsleben hinter sich hatten.

Dass im deutschen Bildungssystem (wenn nicht sogar in der Gesellschaft) die Klassengrenze jedoch nicht nur zwischen Hauptschülern, Realschülern und Gymnasiasten gezogen wird, wurde mir erst nach Ende meines Universitätsstudium in aller Deutlichkeit klar: Auch am Gymnasium und der Universität gibt es zumindest zwei unterschiedliche Arten von Schülern und Studenten. Als Sohn einer gelernten Friseuse und eines LKW-Fahrers war ich der Stolz der Familie: Das ihr Sohn eines Tages auf das Gymnasium gehen würde, hatten meine Eltern nicht zu denken gewagt – bis die Grundschullehrerin in der vierten Klasse eine erste Empfehlung hinsichtlich der weiteren Schullaufbahn ihrer Schüler erstellt hatte. Dass ich überhaupt auf’s Gymnasium gehen konnte, habe ich also meiner alten Klassenlehrerin in der Grundschule zu verdanken. Meine Eltern hätten mich glatt in die Hauptschule geschickt – ein Zeugnis voller Einsen hin oder her… Da ich auch auf dem Gymnasium mit den meisten Grundschulfreunden in eine Klasse gibt, änderte sich bis zur 10. Klasse eigentlich nicht viel, außer dass man neben Englisch noch Latein oder Französisch pauken musste. Erste Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, gab es erst in der 11. Klasse, als wir erste Fächer frei wählen durften und durch das Kurssystem die Jahrgangskollegen aus den Parallelklassen kennenlernten: Die Arzt-, Anwalts-, Lehrer- und Pastorenkinder waren anscheinend auf die anderen Klassen aufgeteilt – in unserer Klasse stammte nämlich so gut wie niemand aus einer Akademikerfamilie. Verunsichert stellte ich in der Oberstufe fest, wie selbstverständlich manche Mitschüler ein Jahr im Ausland verbrachten, ihre Leistungskurse bereits auf ihr zukünftiges Studium ausrichteten und nach dem Abi in ferne Städte zum Studieren gingen – ihren zukünftigen Beruf als Arzt oder Anwalt schon vor Augen.

An der Uni setzte sich das Muster fort: Während ich selbst mehrere Jahre nach meinem Abschluss noch überlege, was ich später mal beruflich machen möchte, hatten die Akademikerkinder unter den Kommilitonen bereits im ersten Semester ihr Auslandssemester geplant und nach weniger als sechs Semestern ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche. Kein Wunder, wenn man sich – wenn auch unbewusst – an studierten Eltern und Geschwistern orientieren kann und einem die Verhaltensweisen der sprichwörtlichen Elite wahrhaft in die Wiege gelegt wurden. Schwieriger wird es dagegen, wenn man als Einziger in der Familie jemals eine Universität von Innen gesehen hat. Auch nach acht Semestern wunderte ich mich in der Mensa häufig noch, nach Vorzeigen meines Studentenausweises einfach durchgewunken zu werden. Und selbst mit sämtlichen notwenigen Leistungsnachweisen in der Tasche, klopfte ich nur zögerlich an die Bürotür des Professors, um ihn um die Betreuung meiner Abschlussarbeit zu bitten, während die Kommilitonen bereits im ersten Semester hier wie selbstverständlich ein- und ausgegangen waren. Versteht sich von selbst, dass ich meine Abschlussnote von 1.3 bis heute für einen Druckfehler halte und mich nach der Uni hauptsächlich auf Stellen beworben habe, die man auch ohne abgeschlossenes Studium erfolgreich hätte antreten können.

Wären meine Eltern Rechtsanwälte, Diplom-Betriebswirte oder Zahnärzte gewesen – auch ich hätte mich vermutlich auf eine Anstellung bei einer renommierten Unternehmensberatung beworben (ob ich das überhaupt will, ist natürlich eine ganz andere Frage) und wäre heute einer dieser Schnösel mit bruchlos vorgezeichnetem Lebenslauf, die nur sich und ihre eigene Schicht kennen, zügig die ihnen zustehenden Plätze  besetzen und von dort Entscheidungen über Menschen treffen, deren Lebensläufe ihnen völlig fremd sind.

Beach House – “Teen Dream”

Das Album Teen Dream der Band Beach House klingt wie verblichene Polaroid-Fotos eines wunderbaren Sommers am Strand, “verwaschen” ist das Adjektiv, mit dem sich der Sound dieser Platte am Besten beschreiben lässt: Ein Kunststück, wie Beach House es schaffen, alle Songs auf “Teen Dream”  gleichzeitig so entrückt und trotzdem unglaublich eingängig wirken zu lassen. Alle zehn Songs klingen, als wären sie Sixtiespopklassiker gewesen, bevor Beach House sie durch ihre Entschleunigungsmaschine gedreht haben. Der unumstrittene Höhepunkt des Albums ist für mich der Song “Norway”, dessen Slidegitarren dermaßen vor sich leiern, dass selbst hartgesottene Ohren wie meine erstmal einen kleinen Nervenzusammenbruch bekommen, aber sofort von dem unglaublich schmissigen Refrain wieder mitgerissen werden. Auch wenn solche Musik sonst gar nicht meine Richtung ist, ist “Teen Dream” endlich mal wieder ein Album, das man vom Anfang bis zum Ende an einem Stück durchhören kann. Und einen Namen für dieses Genre gibt es anscheinend auch schon: Dream Pop.

Geisterstadt Minden

Bei einem Spaziergang durch die Mindener Innenstadt fühlt man sich mittlerweile wie auf einem Rundgang durch eine Geisterstadt. Ein geschlossenes Geschäft reiht sich an das andere, leere Schaufenster und verlassene Restaurants wohin man schaut. In der gesamten Mindener Innenstadt gibt es kein Lebensmittelgeschäft mehr; die älteren Mitbürger werden bereits mit Sonderbussen zu den Supermärkten in der Peripherie gekarrt. Vergleiche an die verlassenen Vortorte Detroits erscheinen bald nicht mehr abwegig.

Bei einem sonntäglichen Stadtbummel durch die Mindener Innenstadt wurde mir das gesamte Ausmaß dieser verheerenden Situation erst bewusst: In gerade mal 30 Minuten schoss ich über 60 Fotos unterschiedlicher verlassener Geschäfte und leerstehender Schaufenster.

Das gesamte Elend der Mindener  Innenstadt kann man hier bestaunen.

Leaving London

Sade – “Soldier of Love” (Single)


Achtung, hier geht es um die Single “Soldier of Love”, den Titeltrack zum gleichnamigen neuen Album von Sade. Der marschiert nämlich mit einem mächtigen, majestätischen Stop-and-Go Beat wie ein trauriger Elefant dahin, dass man seinen Ohren nicht trauen mag: Das soll Schmusetante Sade sein (ja, ich weiß: Sade ist tatsächlich eine Band, nicht nur der Name der Sängerin)? Dazu dann noch diese eisenharten, furztrockenen Gitarrenriffs – wer hätte gedacht, dass man mit einem Sade-Song auf voller Lautstärke die Nachbarn auf den Plan rufen könnte? Zusammengehalten wird dann natürlich alles wieder von dem typischen Sade-Sang und butterwarmen Flächen, kombiniert mit diesem wirklich schroffen Beat-Fundament ist “Soldier of Love” jedoch ein echter Meilenstein im Schaffen der Band und schon jetzt ein sicherer Anwärter auf die Single des Jahres. Und bei der fetten Produktion kann kein Dubstep-Produzent mithalten: Unbedingt laut hören.

Rick “Poppa” Howard – I Won’t Lay back [Rushhour]


Wenn man den Infos glauben darf, handelt es sich bei dieser Platte um eine Kollaboration zwischen Tevo Howard, der das House-Label Beautiful Granville betreibt, und seinem Vater Rick “Poppa” Howard. Ob diese Story tatsächlich wahr ist, ist mir ehrlich gesagt schnuppe – aber die Platte ist ein Kleinod klassischer House Music in der Tradition von Mr Fingers, und sowas lieben wir ja alle.

Den Titeltrack I Won’t Lay back gibt es gleich in drei verschiedenen Versionen, die sich jedoch alle sehr ähneln, so dass ich bei der Originalversion verbleibe: Eine billige Drummachine groovt vor sich hin, eine 303 blubbert und ein E-Piano spielt klassische House-Akkorde, bis Papa Howard irgendwann anfängt zu singen. Noch trauriger wird es dann auf dem vierten Tracks der Platte: About Fourteen (Remix). Die selben klassischen House-Sounds wie auf dem anderen Track, allerdings mit tragischen Synthie-Streichern und einem Billig-Piano in Moll garniert, singt Rick “Poppa” Howard hier noch tragischer als zuvor. So wenig kann manchmal so gut sein – unfassbar schöne Platte, erschienen auf Hour House Is Your Rush Records (heißt wirklich so und ist ein Sublabel von Rushhour).

Where have we gone to? (Ambient Mix, Teil 2)

Where have we gone to?  by  beingboring

Ich stecke anscheinend gerade in einer Ambient-Phase: Am Wochenende habe ich den zweiten Teil meiner Ambient-Serie aufgenommen (Wetten auf den Namen des dritten Teils bitte in die Kommentare), der wiederum aus Ambient-Stücken aus den 90er-Jahren besteht.
Auch wenn das Mixen von Ambient-Tracks keine großen Mixing-Skills vorraussetzt, da diese Musikrichtung schließlich weitestgehend ohne Beats auskommt, bewegt man sich bei der Auswahl der Stücke doch auf einem ziemlich schmalen Grad: Zwar mag ich durchaus kitschige Passagen, doch esoterisch darf es auf keinen Fall werden. Ebenso störend finde ich Click & Cuts, weswegen ich auf Ambient aus den Nullerjahren in der Regel verzichte. Auch zu experimentell sollte mein Mix auf keinen Fall werden – ich mag freundliche Musik, auch wenn zwischendurch mal einige dissonante Töne den Hörer vor dem Einschlafen bewahren sollen.

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