Um dieses Reisetagebuch doch noch irgendwie zu vollenden, fasse ich mich von nun an kurz: Am 6. Tag unserer Reise begann der zweite Abschnitt unserer Urlaubsreise. Bevor wir gegen Mittag wurden von unserem Chauffeur abgeholt wurden, erkundete ich jedoch noch einmal die nähere Umgebung des Hotels. Überraschung: Sonntags ist es in Bangkok tatsächlich bedeutend ruhiger als an den restlichen Wochentagen. Die meisten Garküchen haben einen Ruhetag eingelegt und der Straßenverkehr ist merklich dünner. Man kann sogar ganz lässig die Straße überqueren.
Der Transfer in das südlich von Bangkok gelegene Cha-am erfolgte in einem klimatisiertem Kleinbus, in dem wir mal wieder die einzigen Gäste waren. Begleitet wurden wir lediglich von einer thailändischen Reiseführerin. So konnten wir aus unserer kleinen, sicheren, klimatisierten Touristenblase einen ersten, vorsichtigen Blick auf das Thailand außerhalb der Stadtgrenzen Bangkoks wagen. Die 2,5-stündige Fahrt Richtung Süden verlief fast durchgehend auf einer gut ausgebauten, 4-spurigen Autobahn. Wäre der Seitenstreifen nicht mit unzähligen Essensständen und Garküchen übersät gewesen, hätte man sich fast wie auf der A2 zwischen Lauenau und Bad Nenndorf gefühlt. Und auch Pick-ups mit Menschen oder Kühen(!) auf der Ladefläche sieht man auf deutschen Autobahnen eher selten. Das letzte Teilstück war dann noch von heftigen Regenfällen überflutet, doch unser Fahrer steuerte ohne mit der Wimper zu zucken durch das knietiefe Wasser – alles ganz normal, es war ja schließlich noch Regenzeit in Thailand!
Die Tage in Cha-am verbrachten wir zum größten Teil am Pool unseres Hotels, dem Holiday Inn Regent Cha-am, unterbrochen nur von kleinen Strandspaziergängen oder einem Bummel durch das nahegelegene Dorf. Hier hatten sich einige Einheimische mit kleinen Restaurants, Souvenirläden oder Massage-Ständen angesiedelt. Ein Angebot, das von den Hotelgästen nicht zuletzt aufgrund der deutlich günstigeren Preise dankend angenommen wurde. Die Deutschen sparen halt gern – und wer kann schon widerstehen, wenn man für zwei Portionen Chicken Curry inklusive Getränke fast soviel zahlt, wie für ein einziges Getränk in Deutschland. Besondere Pool-Erfahrung: Bei Regen einfach liegen bleiben – bei fast 40 Grad ist man über jeder Art von Erfrischung dankbar. Das war übrigens auch der erste Strandurlaub, in dem wir über jede einzelne Wolke dankbar waren, denn sobald der Himmel aufklarte, hielt man es vor Hitze nicht mehr aus. Das Hotelzimmer hatten wir deshalb auf angenehme 17 Grad abgekühlt. Nur nachts schalteten wir die Klimaanlage aus.
Bereits bei unserem ersten Rundgang durch das Dorf freundeten wir uns mit Golden, einem pakistanischen Schneider an, der hier gemeinsam mit seiner thailändischen Frau ein Schneidergeschäft namens Golden Boutique und ein kleines indisches Restaurant betreibt. Bei Golden erwarb ich nicht nur maßgeschneiderte Hemden für 20 Euro/Stück, sondern verbrachte auch so manchen Nachmittag bei einer Tasse Kaffee auf den Stufen vor seinem Laden oder bei einer frisch geschälten Papaya in seinem kleinen Garten hinter dem Haus. Zu meinem Geburtstag bekam ich ein ganz besonderes Geschenk: Auf seinem Motorroller nahm mich Golden mit auf eine Tour in die thailändischen Berge. Ein absolutes Highlight des gesamten Urlaubs – bei dem ich meine Kamera allerdings im Hotel vergessen hatte.
Kurz bevor sich das Jahr dem Ende entgegen neigt und schon wieder der nächste Urlaub ansteht, möchte ich versuchen, dieses Bangkok-Reisetagebuch zu vervollständigen. Weiter geht es also mit dem 5. Tag unserer Thailand-Reise:
Nachdem wir am Vortag in China Town unseren kleinen Kulturschock erlitten hatten, sehnten wir uns heute nach Ruhe und Entspannung. Der Tag begann wie immer mit einem vorzüglichen Frühstück in dem klimatisierten, modernen und vor allem sauberen Speisesaal des Holiday Inn Silom. Zu unserer Zufriedenheit stellten wir fest, dass wir anscheinend die einzigen Deutschen in diesem großen Hotel waren. Der Großteil der Gäste stammte aus anderen asiatischen Ländern: Viele Inder, dazu einige Japaner und Chinesen, hauptsächlich Geschäftsleute. Außerdem steigen die Crews von Emirates Airlines im Holiday Inn Silom ab, wenn sie einen Stopover in Bangkok haben. Mit Erstaunen stellten wir übrigens beim Frühstück fest, dass man auch bei Asiaten recht schnell anhand ihres Aussehens auf ihre Herkunft schließen kann. War ich bisher ein Leben lang der Meinung, dass sich Asiaten wie ein Ei dem anderen gleichen, wird man bei der Ankunft in Asien schnell vom Gegenteil überzeugt: Genauso, wie man in Europa einen Spanier von einem Schweden und einem Polen unterscheiden kann, erkennt man hier einen Chinesen, Japaner oder Thai an seinem Aussehen – (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel).
Nach dem Frühstück entschlossen wir uns dazu, heute wieder in den weniger exotischen Vierteln Bangkoks zu verweilen. Da die Silom Road, an der unser Hotel gelegen war, im Reiseführer als Wall Street Thailands bezeichnet wurde und wir hier vorgestern auch schon bei Nacht unterwegs waren, entschieden wir uns, die Region nun bei Tageslicht zu erkunden. Schnell stellten wir fest, dass Bangkok bei Tag eine ganz andere Stadt ist als in der Nacht: Wie üblich waren die Bürgersteige mit Garküchen gepflastert, deren Gerüche gepaart mit den unschönen Erinnerungen von gestern ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend auslösten. In der Nähe der Sky-Train-Station Sala Daeng fanden wir ein recht großes Shopping-Center und ich beschloss, nochmal rasch eine Toilette aufzusuchen. Diese fanden wir im ersten Stock und entpuppte sich als offenbar äußerst beliebte Klappe: An sämtlichen Pinkelbecken standen heftig onanierende Thais (und mittendrin auch ein Engländer). Aber ich war ja aus einem anderen Grund hier…
Nachdem ich meine Angelegenheit erledigt hatte, überquerten wir die Rama IV Road um in den Lumphini Park, den größten Park Bangkoks, zu gelangen. Wer schon einmal im Londoner Hyde Park oder im Central Park in New York war, kann sich schon ein ungefähres Bild vom Suan Lumphini machen. Einziger Unterscheid: In den Teichen schwimmen keine Enten, dafür aber umso beeindruckendere Riesenechsen. Beruhigend für Asien-gestresste Pauschaltouristen: Der Park ist wirklich sehr ruhig, äußerst gepflegt und – besonders beruhigend – alle paar Meter gibt es wirklich saubere Toilettenhäuschen! Wie setzten uns auf das Gras am Ufer eines Sees, fütterten die Echsen mit Brotkrümeln und sahen thailändischen Rentnern bei ihrer täglichen Sportgymnastik zu. Ein paar Meter weiter hatten sogar Bodybuilder ihre Foltergeräten unter Bäumen aufgebaut, um bei über 35 Grad und 99% Luftfeuchtigkeit zumindest vor der Sonne sicher zu sein. Nachdem wir einmal quer durch den Lumphini Park gelaufen waren, bummelten wir die Sathon Nua Road zurück. Vorher mussten wir jedoch wieder eine große Straßenkreuzung überqueren, was ohne Ampeln gar nicht so einfach ist, wie man sich das Deutscher sonst vorstellt. Unser eigentliches Tagesziel in einer Seitenstraße, der Soi Nantha, fanden wir wie immer ohne Probleme: Die Babylon-Sauna – die angeblich schönste, größte und beste Gay-Sauna Bangkoks!
Auf irgendeiner Internetseite stand geschrieben, dass die Babylon-Sauna sogar die größte Gay-Sauna der Welt wäre. Dies kann ich nun nicht bestätigen – doch die schönste und luxuriöseste Gay-Sauna, die ich bisher besucht habe, ist die Babylon-Sauna auf jeden Fall. Im Inneren, wie fast alle öffentlichen Einrichtungen in Thailand, auf ca. 17 Grad abgekühlt, muss es im Darkroom schon heiß her gehen, damit man nicht friert. Neben der üblichen Einrichtung einer Gay-Sauna findet man in der Babylon außerdem einen Friseur, Beauty-Salon, Massageräume, ein sehr stylisches Restaurant, ein Fitnesscenter und natürlich mehrere Bars. Das Highlight ist jedoch der tropische Garten mit dem großen Pool, in dem man herrlich seine Bahnen ziehen kann. Übrigens: Wer (wie ich) hier dickbäuchige, europäische Sex-Touristen erwartet hat, lag mal wieder falsch: Das Publikum bestand zu 95% aus (meist jungen) Thais, wenigen Indern und einem Amerikaner aus San Franciso. Deutsch haben wir hier kein einziges Mal gehört und auch natürlich nicht vermisst.
Tag 4 unserer Reise und der zweite Tag in Bangkok. Nachdem wir am gestrigen Tag das moderne Bangkok rund um den Siam Square erkundet haben, wollen wir heute die obligatorischen Sehenswürdigkeiten des alten Bangkoks abklappern. Auf dem Besichtigungsplan stehen der Königspalast (Grand Palace), der Wat Pho mit dem berühmten liegenden Bhudda sowie der Wat Arun (Tempel der Morgenröte) am westlichen Ufer des Chao Phraya.
Per Sky Train oder U-Bahn gibt es keine Möglichkeit, in diesen Teil Bangkoks zu gelangen und mit dem Taxi steht man vermutlich sowieso die meiste Zeit im Stau. Außerdem wollen wir ja möglichst viel sehen und neue Eindrücke gewinnen – nachdem wir gestern weite Teile des östlichen Bangkoks zu Fuß erkundet haben, beschließen wir daher nach einem Blick auf den Stadtplan, uns zu Fuß auf den Weg zu machen. Die Entfernung sollte kein Problem für geübte Fußgänger wie uns darstellen und den Chao Phraya kann man schließlich mit einer der zahlreichen Fähren überqueren. Laut Stadtplan muss man lediglich den Stadtteil Yaowarat, Bangkoks Chinatown, durchqueren, um zu Thailands bekanntesten Touristenzielen zu gelangen – wenig einladende Foto von Bangkoks Chinatown, die ich vor der Reisen in einem Reiseführer gesehen hatte, verdränge ich schnell. Schließlich sind wir seit gestern erfahrene Asien-Experten, wird also schon nicht so schlimm sein.
Nach einem hervorragenden Frühstück im Hotel machen wir uns auf den Weg. Die vor dem Hotel auf uns lauernden Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrer lassen wir links liegen und biegen am Fuße des mächtigen State Towers rechts in die Charoen Krung Road ein, die auf knapp 8 Kilometern Länge nahezu parallel zum Chao-Phraya-Fluss auf dessen östlichem Ufer direkt zum Grand Palace führt. Ganz offensichtlich ist dieser Teil Bangkoks schon um einiges ursprünglicher als die gestrigen klimatisierten Einkaufscenter am Siam Square. Selbstverständlich halten wir uns an die thailändischen Sitte, Tempelanlagen nur in respektvoller Kleidung zu besichtigen, und laufen deswegen bei mindestens 35 Grad und der wie üblich sehr hohen Luftfeuchtigkeit in langen Hosen vorbei an den obligatorischen Garküchen, unzähligen Juweliergeschäften und Schneiderinnen, die ihre Nähmaschinen nicht nur auf dem Bürgersteig, sondern sogar auf Verkehrsinseln inmitten des höllischen Verkehrs aufgebaut haben, um dort mit einem Mundschutz bekleidet ihrer Arbeit nachgehen.
Irgendwann gabelt sich die Straße und wir beschließen nach kurzem Studium des Stadtplans, eine Abkürzung einzuschlagen und die Hauptstraße zu verlassen. Wir überqueren die ersten Khlongs, die früher als Transportwege über das Wasser, heute aber überwiegend als Fäkaliengruben dienen, und lachen über die unschönen Gerüche, die bei der Hitze aus der braunen Brühe zu uns emporsteigen. Langsam werden die Straßen enger, die thailändischen Schriftzeichen an den Geschäften und auf Werbetafeln werden durch chinesische abgelöst und sogar das Angebot der Garküchen hat sich merklich verändert: Wir sind in China Town angekommen. Die Straßen haben sich ein ein enges Gewirr aus Gassen verwandelt, durch die keine Autos mehr hindurch passen. Laut Stadtplan sind wir jedoch immer noch auf dem richtigen Weg, also beschließen wir, weiter zu gehen. Links und rechts der Gassen befinden sich Werkstätten, Werkstätten und noch mehr Werkstätten. Vor und in den Werkstätten türmen sich Autoteile aller Art: Bremsen, Felgen, Auspüffe und Motoren sind mitten auf der Straße zu mannshohen, ölverschmieten Haufen aufgeschüttet worden. Im Vergleich dazu herrschen bei den Ludolfs Ordnung und Sauberkeit. Mittendrin spielen Kinder und Hunde oder wird Essen zubereitet. Langsam dämmert uns, dass hier nicht nur auf dem Bürgersteig gearbeitet, sondern auch gewohnt wird. Andere Ausländer mit weißer Hautfarbe haben wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gesehen, und obwohl hier niemand von uns Touristen Notiz zu nehmen scheint, halte ich es für unangemessen, mit klickendem Fotoapparat durch die Gassen zu laufen. Daher gibt es von einer der interessantesten Erfahrungen unserer Reise leider keine Bilder. Auf youtube habe ich jedoch dieses Video gefunden, dass die Berge von Ersatzteilen anschaulich widergibt:
Wir gehen weiter und lernen, dass anscheinend jede Gasse von einer anderen Branche in Beschlag genommen wurde: Die nächste Gasse besteht ausschließlich aus Goldschmieden, in einer anderen gibt es nichts anderes als Stoffgeschäfte. Vor und in den Geschäften türmen sich Waren aller Art, Händler karren Nachschub für ihre Läden heran, und in den offenen Küchen am Straßenrand brutzelt allerlei Undefinierbares. Irgendwann ist kaum noch ein Durchkommen möglich, die Gasse ist zu einem schmalen Durchgang zwischen überberstenden Marktständen geschrumpft und wir werden von einem unerschöpflichen Menschenstrom einfach mitgerissen. Links und rechts zweigen endlose, dunkle Gänge voller Menschen ab, die Gerüche und Speisen der Garküchen sind längst alles andere als appetitlich und am plötzlichen Fäkaliengestank erkennen wir, dass sich dieser überdachte Marktabschnitt auf einer Brücke über einem Khlong befindet. Mittlerweile wollen wir noch nur raus aus diesem Chaos. Als wir dann auch noch über tote Ratten stolpern, die mitten auf dem Bürgersteig liegen, während direkt daneben Speisen zubereitet und verzehrt werden, kommt der verweichlichte Europäer in mir zum Vorschein und ich kotze mein Frühstück auf den Asphalt.
Irgendwann finden wir einen Ausweg aus dem Labyrinth des Marktes und finden uns auf einer großen, mindestens 4-spurigen (da jeder kreuz und quer fährt, lässt sich das nicht so genau definieren) Hauptstraße wieder. Erstmal wollen wir nur raus aus diesem Chaos, doch das ist leichter gesagt als getan: Verkehrsampeln gibt es keine und Zebrastreifen dienen allerhöchstens als Straßenverzierung. Für zwei Fußgänger anhalten tut sowie keiner der Verkehrsteilnehmer und somit beschließen wir, einfach über die Straße zu gehen, ohne nach links und rechts zu sehen. Wie durch ein Wunder funktioniert dieser Trick tatsächlich, die Tuk-Tuks, Mopeds und Taxis machen einfach einen Bogen um uns. Nachdem man auf diese Weise mehrere Kreuzungen überquert hat, ist man trotzdem erstmal mit den Nerven am Ende. Zu unserer Erleichterung entdecken wir irgendwann zu unserer Linken einen kleinen Park, den wir sogar auf dem Stadtplan wiederfinden. Es handelt sich um den Suan Romaninart Park, ein ehemaliges Gefängnisgelände. Erschöpft fallen wir auf eine Parkbank und überlegen, was zu tun ist. Zum Grand Palace ist es von hier aus nicht mehr weit. Allerdings ist uns jede Lust auf Sightseeing vergangen. Wir müssen uns eingestehen, dass wir unser klimatisiertes 4-Sterne-Hotel den thailändischen Tempeln und Palästen vorziehen. Im sicheren, angenehm kühlen Taxi lassen wir uns zurück zu unserer Hotel-Oase chauffieren, wo wir den Rest des Tages am Pool verbringen und keinen Fuß mehr vor die Tür setzen.
Im Nachhinein war dieser Tag übrigens einer der schönsten der ganzen Reise. Für den nächsten Bangkok-Aufenthalt ist auf jeden Fall schon jetzt ein kompletter Tag zur genaueren Erkundung von Chinatown eingeplant.
Der dritte Tag unserer Reise ist der erste komplette Tag in Bangkok. Nachdem wir uns in den letzten 48 Stunden hauptsächlich auf Flughäfen und in Flugzeugen befunden haben, wachen wir heute erst um 12 Uhr mittags auf und haben das Frühstück somit verpasst. Nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan beschließen wir, von der nahegelegenen Surasak-Station mit dem Skytrain zum Siam Square zu fahren. Das Exotischste, was wir auf dem kurzen Fußmarsch vom Hotel zur Sky-Train-Station sehen, sind ein mit Ananas vollbeladener Kleinlaster und eine Gruppe Bauarbeiter, die auf der Ladefläche eines Pick-Ups unterwegs sind. Da es bisher nur zwei Linien gibt, ist das Sky-Train-Netz noch sehr übersichtlich: Die Züge sind neu und modern, selbstverständlich klimatisiert und die Fahrgäste unterscheiden sich mit ihren iPhones und MP3-Playern bis auf die Schlitzaugen kaum von europäischen Großstädtern. Die Bahnstrecke führt vorbei am Royal Bangkok Sports Club, einer riesigen Grünfläche inklusive Golfplatz und Pferderennbahn inmitten der Betonwüste Bangkok. Ich muss an Zirkuskind, mein erstes Buch von John Irving, denken. Aber das spielte ja in Indien.
Nach etwa 10-minütiger Fahrt erreichen wir den Siam-Square, ein vollklimatisiertes Einkaufs- und Vergüngungsviertel bestehend aus großen Kaufhäusern und Einkaufsarkaden – also genau das Richtige für Asien-Neulinge wie uns. Aus dem Sky-Train stolpern wir über eine Fußgängerbrücke direkt in das Siam Paragon - warum das modernste Einkaufszentrum der Stadt auch „The Pride Of Bangkok“ genannt wird können wir uns denken, als wir die Preisschilder entdecken: Alle Luxusmarken dieser Welt sind hier versammelt – die Preise unterscheiden sich allerdings nicht im Geringsten von denen in London, Paris oder New York. Dabei wollten wir doch in Bangkok ein paar Schnäppchen machen – also schnell weiter. Der Weg führt uns durch das Siam Center und das Siam Discovery Center schließlich über eine weitere Fußgängerbrücke ins Mah-Boon-Krong-Center (MBK). Das Preisniveau im MBK ist deutlich niedriger als in den vorherigen Kaufhäusern, so dass sich hier auch normalsterbliche (Mittelschicht-) Thais einen Einkauf leisten können. Entsprechend dicht ist das Gewusel zwischen den unzähligen kleinen Geschäften, die sich über 7 Stockwerke verteilen. Neben Klamotten- und Handy(hüllen)-Geschäften fallen uns vor allem die zahlreichen Massage- und Wellnessläden auf. Wer sich beim Shoppen zwischendurch eine Thai-Massage oder Gesichtsbehandlung gönnen möchte, ist hier an der richtigen Adresse.
Nachdem wir mehrere Stunden durch das MBK gebummelt sind – allerdings ohne etwas zu kaufen, dafür ein weiteres köstliches Thai-Curry intus – vergnügen wir uns damit, von der Fußgängerbrücke aus den Verkehr zu beobachten. Warum hier überhaupt jemand mit dem Auto unterwegs ist, bleibt uns schleierhaft. Umso schneller voran kommt man mit dem Motorroller, auf dem häufig ganze Familien (Vater, Mutter und 2 Kinder) oder auch mal 3 Erwachsene sitzen.
Langsam wird es dunkel, ein Gewitter zieht auf und leichter Regen fällt. Über eine Fußgängerbrücke, die unterhalb der Sky-Train-Strecke entlangführt, wandern wir langsam zurück bis zum Erawan-Schrein. Mittlerweile ist es stockdunkel, wir aber noch kein bißchen müde. Daher beschließen, anstatt zum Hotel zurückzufahren, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen: Zu Fuß wandern wir die vom Feierabendverkehr vollkommen verstopfte Ratchadamri Road entlang. Unser Ziel ist der Baiyoke Tower 2, das höchste Gebäude Thailands, welches uns aus der Ferne entgegenfunkelt. Irgendwann versperrt uns eine Baustelle den Weg, wir kommen von der Hauptstraße ab und bahnen uns den Weg durch schmale Seitenstraßen (Sois). Straßenbeleuchtung gibt es hier nicht, dafür werden die Häuser baufälliger und die Gerüche der Garküchen exotischer. Mitten in solch einer dunklen Gasse stehen wir dann plötzlich vor dem beeindruckenden Wolkenkratzer – gemeinsam mit etwa 30 weiteren Touristen, die vor dem Aufzug zur Aussichtsplattform schlangestehen. Urplötzlich haben wir keine Lust mehr, von oben auf Bangkok herab zu blicken, Müdigkeit und Hunger überfallen uns und so langsam wäre auch mal wieder eine Dusche fällig (merke: es herrschen auch abends immer noch über 30 Grad).
Zu Fuß geht es zurück zum Siam Square, an einem Mini-Kiosk kaufen wir noch ein paar Flaschen grünen Eistee und steigen in den Sky Train Richtung Hotel. Während der Fahrt fällt mir beim Studieren des Fahrplans auf, dass sich in der Nähe der nächsten Station das Rotlicht-Viertel und der Nachtmarkt Patpong befinden. Durch den erfrischenden Eistee wieder einigermaßen zu Kräften gekommen, steigen wir also an der Station Sal Daeng aus. Schon am Fuße der Treppe begrüßt uns ein Lockvogel mit einer ganzen Brochüre nackter Thai-Boys (die Frauen zeigt er mir erst gar nicht, was mir natürlich zu denken gibt). Wir lehnen dankend ab. Faszinierender erscheint uns dagegen das Fish-Spa an der nächsten Straßenecke. Aber da uns langsam klar wird, dass wir (noch?) nicht für derartige exotische Erfahrungen offen sind, bummeln lieber vorbei an den Prostituierten der Thaniya Road, wo ich M. erklären muss, was eine Ping-Pong-Show ist. Ansonsten ist Patpong in etwa das Pendant zur Hamburger Reeperbahn: Statt zu ficken werden hier hauptsächlich Touristen abgezockt.
Irgendwann am Ende dieses langen Tages kamen wir schließlich zu Fuß aber glücklich wieder in unserem Hotel am Ende der Silom Road an. An unserem ersten Tag in Asien hatten wir uns ziemlich wacker geschlagen, fanden wir…
Nachdem wir mit 2-stündiger Verspätung in Dubai gestartet waren, ging der ca. 6,5-stündige Flug im Emirates Airbus A380 nach Bangkok unspektakulär über die Bühne. Von Innen nimmt man die Größe des riesigen Flugzeugs kaum wahr, dass sich über uns eine zweite Etage voller Passagiere befindet, kann man ebenso wenig mit eigenen Augen sehen. Die Maschine hebt außerdem so sanft vom Boden ab, dass man bald vergisst, sich mehrere Tausend Meter über den Wolken zu befinden. Aus dem schier unerschöpflichen Bordprogramm entschied ich mich zuerst für Tim Burtons Alice im Wunderland, den ich nach etwa der Hälfte des Filmes jedoch enttäuscht abbrach. Stattdessen wählte ich aus dem musikalischen Bordprogramm das neue Album von Animal Collective, zog mir eine Decke über den Kopf und schlief irgendwann tatsächlich ein. Nach einem ereignislosen Flug landete die Maschine schließlich gegen 20 Uhr auf dem Flughafen von Bangkok. Im Gegensatz zu Dubai klappte die Passkontrolle hier glücklicherweise wie am Schnürchen und am Ausgang wurden wir bereits von einem jungen Thai samt Chaffeur erwartet, der uns über einen mindestens 8-spurigen Highway (ohne Fahrbahnmarkierung) in ca. 40 Minuten zum Holiday Inn Silom brachte. Während der Fahrt hatten wir nicht nur erste Gelegenheit, die beeindruckende Skyline von Bangkok bei Nacht zu bewundern, sondern machten auch erste Bekanntschaft mit den in den folgenden zwei Wochen unvermeidbaren Klimaanlagen. Im Kleinbus herrschten nicht mehr als 15 Grad, so dass ich vorsorglich die bereits im Gepäck verstaute Winterjacke wieder zum Vorschein holte, um mich nicht gleich am ersten Tag zu erkälten.
Im Hotel angekommen, machten wir an der Rezeption zudem erste Bekanntschaft mit dem Wai, dem freundlichen thailändischen Gruß. Spätestens jetzt war klar, dass wir uns auf der anderen Seite der Erdkugel befanden. Der Ausblick aus dem Hotelzimmer im 15. Stock erwies sich als atemberaubend: Direkt gegenüber befindet sich der imposante State Tower mit der wohl spektakulärsten Dachterasse der Welt. Erst jetzt fällt uns auf, dass wir seit fast 48 Stunden keine richtige Mahlzeit zu uns genommen haben. Da wir eh noch viel zu aufgekratzt sind, um schlafen zu können, starten wir eine kleine Erkundungstour entlang der Silom Road. Auch wenn es mittlerweile gegen 22 Uhr ist, liegt die Temperatur noch immer bei etwa 30 Grad, die Luft erinnert an ein Gewächshaus. Trotzdem fühlt sich das Klima nicht unangenehm an. Vor dem Hotel machen wir erste Erfahrungen mit den auf Kundschaft lauernden Tuk-Tuk-Fahrern, auf dem Silom Road haben überraschenderweise bereits fast alle Geschäfte geschlossen. Nur einige Massageläden haben noch geöffnet. Vor jedem Laden sitzen 5-6 Frauen, ihre “Massage, Massage!”-Rufe werden uns die nächsten zwei Wochen auf Schritt und Tritt begleiten und klingen noch heute in meinen Ohren. Als Europäer fällt man in Bangkok nicht nur auf, sondern ist auch ein wandelnder Geldautomat, der gemolken werden möchte.
Nicht weit vom Hotel entfernt finden wir das Silom Village, eine Ansammlung von Geschäften und Restaurants. Hier brennt noch Licht und wir bestellen unser erstes Original-Thai-Curry mit Hähnchen und Erdnüssen, was wie erwartet köstlich schmeckt. Außer uns sitzt nur noch ein englischer Geschäftsmann mit zwei thailändischen Kollegen an einem der Nachbartischen unter freiem Himmel. Auf dem Rückweg zum Hotel schlendern wir noch ein wenig durch die Seitenstraßen, finden heraus, dass sich die Gay-Sauna Heaven tatsächlich nur auf der anderen Straßenseite befinden, doch auch hier ist schon alles dunkel und die Bürgersteige hochgeklappt. Bisher erscheint mir Bangkok nicht exotischer als Gran Canaria. Nun bin ich um die halbe Welt geflogen und selbst hier ist abends anscheinend nicht mehr los als in Minden… Zurück im Hotelzimmer genieße ich aus dem Bett die unglaubliche Aussicht, bevor ich irgendwann dann doch in einen langen, tiefen Schlaf falle…
Schon beim Einchecken am Emirates-Schalter in Düsseldorf wird schnell klar, dass es heute nicht nach London, Mallorca oder Gran Canaria geht: Indische Nonnen, mit einem Thawb bekleidete Araber und vereinzelte Backpacker stehen vor mir in der Schlange vor dem Abfertigungsschalter, um ihr Gepäck aufzugeben und ihre Bordkarten in Empfang zu nehmen. An Bord der Boeing 777-300ER der nächste Hinweis: Die Stewardessen scheinen nicht nur bei einer Model-Agentur eingekauft worden zu sein, sondern repräsentieren sämtliche Kontinente unseres Planeten: Eine dunkelhäutige Naomi-Campell-Doppelgängerin serviert gemeinsam mit asiatischen Porzellanpüppchen und arabischen Flugbegleitern heiße Tücher, Getränke sowie arabische und indische Köstlichkeiten. Man wird umsorgt wie ein König. Außerdem verfügt jeder Sitzplatz über ein Unterhaltungssystem mit 600 verschiedenen Kanälen: Während des 6,5-stündigen Fluges von Düsseldorf nach Dubai kann man den Verlauf des Fluges verfolgen, den Blick über 3 verschiedene, außen am Flugzeug angebrachte, Kameras genießen und sich durch unzählige Kinofilme und Musik-Alben hören. Da ich im Urlaub bin, entscheide ich mich für etwas, das ich zu Hause so gut wie niemals tue: Einen Film zu gucken. Zu anspruchsvoll soll die Kost auch nicht sein, deswegen fällt die Wahl auf Avatar. Nach dem Ende des Films bin ich sowohl körperlich als auch geistig schon bereit für die Landung – dabei haben wir gerade mal die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht, drei Flugstunden liegen noch vor uns.
Gegen Mitternacht landet die Maschine auf dem Flughafen von Dubai. Da der Anschlussflug nach Dubai erst um 9.35 ist, haben wir vom Reiseveranstalter freundlicherweise ein Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens spendiert bekommen. Mit gemischten Gefühlen verlasse ich das Flugzeug und folge den Hinweisschildern zur Einreisekontrolle: In einem Land, in dem das Trinken von Alkohol, Homosexualität und sogar Beziehungen zwischen unverheirateten Männern und Frauen verboten sind, höre ich schon beim Betreten des islamistischen Bodens die Handschellen klicken. Die Passkontrolle in Dubai erweist sich sodann auch als erste Herausforderung dieser Reise: Obwohl nur etwa 15 Leute vor uns stehen, dauert es fast zwei Stunden, bis wir endlich unsere Reisepässe dem grimmigen Scheich am Schalter vorzeigen können. Entgegen meiner Vermutung werde ich jedoch nicht verhaftet und nach einer weiteren Sicherheitsschleuse (hier wird sogar bei der Einreise das Gepäck durchleuchtet – man könnte ja Alkohol, Pornohefte oder anderen Schweinkram dabei haben) darf ich schließlich das gelobte Land betreten. Unser Gepäck haben wir direkt bis nach Bangkok durchgecheckt – also schnell ein Taxi suchen und ab zum Hotel.
Obwohl es mittlerweile fast 2 Uhr nachts ist, beschlägt beim Verlassen des Flughafengebäudes schlagartig meine Brille – so heiß und schwül ist es. Nachdem ich auch hier nicht vom Blitz erschlagen werde und der Taxifahrer sich als netter Geselle entpuppt, werde ich langsam entspannter. Das Hotel ist tatsächlich direkt am Flughafen, das kurze Stück hätten wir auch laufen können. Der Taxifahrer fährt trotzdem eine Extrarunde, schließlich will er auch an uns etwas verdienen. Das 2-Sterne-Holiday Inn Express lässt jedes europäische 4-Sterne-Hotel wie eine billige Absteige aussehen, und gegen kurz nach 2 Uhr sind wir schließlich im Bett.
Fünf Stunden später klingelt jedoch schon wieder der Wecker: Schnell duschen, auschecken und vor dem Hotel wartet schon ein Taxi. Der Fahrer will allerdings noch eine quarzen, bietet auch uns eine Kippe an und so langsam beginne ich mich in Dubai richtig wohl zu fühlen. Zu schade, dass in 2 Stunden schon wieder der nächste Flieger geht. Auch dieser Taxifahrer dreht noch eine Extrarunde mit uns, die Ausreise geht zum Glück ohne stundenlanges Schlangestehen vonstatten und um 9.35 Uhr sitzen wir pünktlich im Emirates Airbus A380 Richtung Bangkok. Der Abflug verzögert sich jedoch: Anscheinend hat sich ein falsches Gepäckstück an Bord geschlichen. Irgendwann legt der Airbus vom Gate ab, nur um nach ca. 50 Metern wieder zum Gate zurück zu rollen, da immer noch irgendetwas mit dem Gepäck nicht in Ordnung ist. Mit 2-stündiger Verspätung hebt der A-380 dann schließlich doch noch irgendwann Richtung Bangkok ab.