Dänemark-Roadtrip – Autoreise zum nördlichsten Punkt des Landes

Dass wir seit einiger Zeit die Vorteile von Autoreisen zu schätzen gelernt haben, habe ich ja bereits in einem früheren Blogbeitrag erzählt. Nachdem wir im vergangenen Jahr mit dem Auto bis nach Kroatien gefahren sind, haben wir uns nun wieder auf vier Rädern auf den Weg gemacht – nach Dänemark!

Roadtrip durch Dänemark

Dänemark hatte ich eigentlich nie so richtig auf dem Schirm. Zwar träume ich schon lange von einer Skandinavien-Reise, doch dabei denke ich hauptsächlich an norwegische Fjorde oder Geysire in Island. Wenn es um interessante Städtereisen in europäische Metropolen geht, kommen mir zuerst London, Barcelona oder Amsterdam in den Sinn. Dass es auch in Skandinavien ziemlich coole Städte gibt, wird leider allzu häufig vergessen. Nach Dänemark fuhren doch früher nur die Lehrer- und Pastorenkinder mit ihren Eltern in den Sommerferien!

Hinzu kommt: In den vergangenen Jahre ist mir Dänemark hauptsächlich mit negativen Nachrichten aufgefallen. So kann ein Hund dort legal beschlagnahmt und getötet werden. Und zuletzt hat Dänemark seine Grenzübergänge für Flüchtlinge dicht gemacht. Die Dänische Volkspartei will sogar einen Zaun an der dänisch-deutschen Grenze errichten. Kurz gesagt: Das Bild vom gemütlichen Dänemark mit Urlaub, Dünen und Ruhe hat in letzter Zeit ziemliche Kratzer bekommen. Dabei war Dänemark einst ein Leuchtturm der Toleranz: Bereits im Jahr 1989 hatte Dänemark als erstes Land überhaupt die standesamtliche Verbindung gleichgeschlechtlicher Paare („registrierte Partnerschaften“) zugelassen. Am 7. Juni 2012 stimmte das dänische Parlament dann mit einer klaren Mehrheit (85 gegen 24 Stimmen) für ein Gesetz, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnet und auch kirchliche Trauungen legalisiert.

Doch wir wollten unserem nördlichen Nachbarland noch eine Chance geben – schließlich ist Dänemark von unserem Zuhause aus in wenigen Stunden bequem mit dem Auto zu erreichen. Und meine letzte (uns bisher einzige) Dänemarkreise ist auch schon wieder 20 Jahre her: Damals mieteten wir nach dem Abitur mit einigen Freunden für eine Woche ein Ferienhaus in Bjerregard.

Dänemark mit dem Auto entdecken

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, früh morgens zu unserem Dänemark-Roadtrip aufzubrechen. Doch wie immer konnten wir uns nicht in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett schälen, sodass wir uns erst gegen 10 Uhr auf den Weg in Richtung Norden machten. Nach wenigen Kilometern auf der Autobahn wurde und dann schlagartig bewusst, welchen Tag wir uns für die Abfahrt ausgesucht hatten: Fronleichnam! Während bei uns in Nordrhein-Westfalen ein Feiertag war, wurde im benachbarten Niedersachsen fleißig gearbeitet. Aus diesem Grund fahren viele Westfalen an ihrem freien Tag zum Shoppen nach Niedersachsen. Da außerdem noch eine Baustelle zu unserem Glück dazukam, standen wir erstmal von Porta Westfalica bis Hannover im Stau. Doch leider wurde die Verkehrsituation auf dem weiteren Weg nach Norden nicht besser: Auch auf der A7 zwischen Hannover und Hamburg stockte der Stau aufgrund des dichten Verkehrs und der zahlreichen Baustellen. So kamen wir erst nach vier Stunden Fahrt am Elbtunnel an – eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt bereits in Dänemark sein!

Grenzübergang zwischen Deutschland und Dänemark
Grenzübergang zwischen Deutschland und Dänemark

Ein nicht unerheblicher Grund, warum ich Autoreisen so mag, ist der Nostalgie-Faktor. Dieser schlug im roten Bereich aus, als wir uns an einer Autobahnraststätte Schnitzel mit Pommes und eine Cola zur Stärkung gönnten. Ihr merkt schon: Auf diesem Roadtrip wollte ich genießen und nicht an Kohlenhydrate denken! Nach etwa sechs Stunden erreichten wir endlich die deutsch-dänische Grenze, an welcher wieder Kontrollen durchgeführt werden, damit keine Flüchtlinge ins Land kommen. Ein bitterer Beigeschmack dieses Roadtrips und ein dicker Minuspunkt für Dänemark!

Nach etwa acht Stunden erreichten wir schließlich das erste Ziel unseres Dänemark-Roadtrips: Aarhus!

Erste Station unseres Dänemark-Roadtrips: Aarhus

Es hat sich fast zu einer Tradition entwickelt: Anstatt der Hauptstadt eines Landes, besuchen wir deren kleine Schwester. So wie wir uns in den Niederlanden von Rotterdam statt Amsterdam verzaubern ließen, fiel unsere Wahl für unseren Dänemark-Roadtrip auf Aarhus statt Kopenhagen. Denn die Stadt in der Region Midtjylland ist mit 264.716 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Außerdem ist Aarhus die Europäische Kulturhauptstadt 2017. Bevor wir die Stadt erkunden konnten, mussten wir jedoch noch mit einem Autolift das Parkdeck unseres Hotels erreichen – sehr abenteuerlich! Zum Glück haben wir unseren Audi ohne Kratzer auf das Hoteldach gebracht!

Aufregende Fahrt mit dem Autolift in unserem Hotel in Aarhus
Aufregende Fahrt mit dem Autolift in unserem Hotel in Aarhus

Das First Hotel Atlantic ist der ideale Ausgangspunkt, um alle Sehenswürdigkeiten in Aarhus zu Fuß zu entdecken. Es liegt direkt am Hafen, gegenüber dem Dokk1, der öffentlichen Bibliothek mit ihrer beeindruckenden Architektur und am Ende des Kanals, welcher sich mitten durch die Fußgängerzone zieht. Hier am sogenannten Åboulevarden sind die Cafés und Restaurants wie Perlen an einer Kette aufgereiht. Kein Wunder, dass es sich um eine der attraktivsten Restaurant- und Nachtklubmeilen in Dänemark handelt. Nachdem wir uns mit einem leckeren Hamburger und Pommes gestärkt hatten, kamen wir auch zum ersten Mal mit den gepferrten Preisen in Dänemark in Kontakt. Für ein normales Gericht muss man hier schon mindestens 20 Euro/Person auf den Tisch legen.

Nach dem Essen schlenderten wir weiter durch die Fußgängerzone und gelangten in das Aarhuser Quartier Latin, eines der schönsten Viertel der Stadt. In den mit Kopfstein gepflasterten Straßen befinden sich coole Boutiquen und romantische, von der Pariser Bohème-Stimmung inspirierte Cafés und Bistros, die von Hipstern bevölkert werden.

Zum Abschluss des Tages setzten wir uns auf eine Kaimauer in der Nähe unsere Hotels und schauten einem riesigen Containerschiff beim Verlassen des Hafens zu. Meinen ausführlichen Reisebericht mit vielen Tipps und den interessantesten Sehenswürdigkeiten in Aarhus werde ich Dir in einem separaten Artikel in meinem Reiseblog vorstellen.

Zweite Station unseres Dänemark-Roadtrips: Aalborg

Am zweiten Tag unseres Dänemark-Roadtrips fuhren wir weiter in Richtung Norden – nach Aalborg. Die Fahrt von Aarhus aus dauert zum Glück nur etwa zwei Stunden. Und das fahren auf dänischen Autobahnen empfand ich dank der Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h (bzw. teilweise sogar nur 110 km/h) als sehr angenehm.

Auf der Autobahn in Dänemark lässt es sich sehr entspannt fahren
Auf der Autobahn in Dänemark lässt es sich sehr entspannt fahren

Aalborg (oder auch Ålborg genannt) liegt in der Region Nordjylland und ist nach Kopenhagen, Aarhus und Odense die viertgrößte Stadt des Landes. Sie befindet sich am Limfjord, der dort flussartig verengt über eine Entfernung von etwa 35 Kilometer die Verbindung zur Ostsee herstellt. Hier hatten wir für die kommenden drei Nächte ein Hotel gebucht. Aufgrund ihrer Lage in Norddänemark ist die Stadt nämlich der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in Nordjylland. Zuerst machten wir uns jedoch wieder auf die Suche nach einem guten Restaurant, um unseren Hunger zu stillen.

Nach dem pittoresken Aarhus war die Ankunft in Aalborg erstmal ein kleiner Kulturschock: Anstatt mit urigen dänischen Häusern und Kopfsteinpflaster begrüßte uns Allborg mit breiten Straßen und einem industriellem Flair. Statt trendy Cafés und Hipster-Restaurants fanden wir eine ballermannmäßige Partymeile (Jomfru Ane Gade – auch bekannt als “Die längste Theke von Dänemark”) und einen waschechten Rotlichtbezirk mit Striplokalen. Nachdem wir schon kurz davor waren, in einem der zahlreichen Pizza-Lokale ohne Sitzplätze eine Pizza im Karton zu kaufen und auf dem Hotelzimmer zu verspeisen, fanden wie schließlich doch noch ein richtiges italienisches Restaurant. Und wie schon am Vortag durften wir uns auch hier wieder an die hohen Preise in Dänemark gewöhnen: Für zwei Pasta-Gerichte und Getränke wurden wir hier umgerechnet knapp 100 Euro los – naja, immerhin hatten wir uns auch eine Nachspeise gegönnt!

Dritte Station unseres Dänemark-Roadtrips: Skagen

Am dritten Tag unseres Roadtrips durch Dänemark unternahmen wir einen Ausflug nach Skagen. Nach einem ausführlichem Frühstück im Hotel machten wir uns jedoch erst ganz entspannt gegen Mittag auf den Weg zum nördlichsten Punkt Dänemarks. Schon nach wenigen Metern musste wir jedoch schon an der geöffneten Zugbrücke halten, welche Aalborg mit dem auf der nördlichen Seite des Limfjordes in Vendsyssel liegenden Stadtteil Nørresundby verbindet, um einige Segelboote passieren zu lassen.

Zugbrücke über den Limfjord zwischen Aalborg und Nørresundby
Zugbrücke über den Limfjord zwischen Aalborg und Nørresundby

Für die 110 km lange Strecke von Aalborg nach Skagen benötigten wir nur etwa 1,5 Stunden Autofahrt. Die Hafenstadt ist die nördlichste Stadt Dänemarks, liegt an der Nordspitze von Jütland und ist von langen Sandstränden umgeben. Unser eigentliches Ziel ist jedoch die noch ein Stück weiter nördlich von Skagen flach auslaufende Landspitze Grenen: Hier kann man zuschauen, wie die Fluten von Nordsee und Ostsee aufeinandertreffen. Eine weitere Besonderheit sind die alten Bunkeranlagen mitten in den Dünen (oder teileweise ins Meer abgesagt), die heute hervorragende Aussichtsplattformen und Badeinseln bilden. Die Bunker wurden im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen gebaut und waren Bestandteil des Atlantikwalls, der zum Schutz gegen eine allierte Invasion gebaut wurde. In Regelbau 638 befindet sich heute ein Bunkermuseum.

Grenen oder Skagens Gren, woNordsee und Kattegat zusammenfließen
Grenen oder Skagens Gren, woNordsee und Kattegat zusammenfließen

Vierte Station unseres Dänemark-Roadtrips: Wanderdüne und Leuchtturm Rubjerg Knude

Am vierten Tag unserer Dänemark-Tour unternahmen wir einen Ausflug zu einer weiteren imposaten Naturschönheit in Jütland: Der Wanderdüne Rubjerg Knude zwischen Lønstrup und Løkken. Die Rubjerg Knude bildet den höchsten Punkt der beeindruckenden Steilküste von Lønstrup. Die Wanderdüne ist knapp 2000 Meter lang, hat eine Breite von bis zu 400 Metern und ist 70 Meter hoch.

Leuchtturm und Wanderdüne Rubjerg Knude
Leuchtturm und Wanderdüne Rubjerg Knude
Als wäre die beeindruckende Steilküste, auf der dem Besucher Wind und Sand ins Gesicht peitschen, noch nicht spektakulär genug, thront oben auf der Düne auch noch ein Leuchtturm. Dieser war bei Schatzis letztem Besuch vor knapp 20 Jahren fast vollständig vom Sand eingeschlossen. Damals schaute nur die Spitze des Turms aus der Düne hervor. Ein ziemlich dystopischer Anblick, der mir einen Schauer über den Rücken jagt. Mittlerweile ist die Wanderdüne jedoch weitergezogen und hat den Leuchtturm wieder freigegeben. Der massive Turm hat die Versandung scheinbar unversehrt überstanden – von den umliegenden Gebäuden sind jedoch nur noch Trümmer übrig. Daher sieht es rings um den Leuchtturm von Rubjerg Knude auch aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Warum man sich hier nicht die Mühe macht, das Trümmerfeld zu beseitigen, ist mit ehrlich gesagt ein Rätsel.

Saltum Strand – mit dem Auto direkt ans Meer fahren

Auf dem Rückweg von Rubjerg Knude zu unserem Hotel in Aalborg legten wir noch einen Zwischenstopp in Saltum Strand ein – es war der unerwartete Höhepunkt dieser Autoreise durch Dänemark! Noch nie zuvor habe ich gesehen, dass man mit Autos auf dem Strand fahren darf!! Doch vor allem begeisterte mich diese endlose Weite: Ein kilometerlanger Sandstrand in beide Richtungen, das tosende, aber türkisfarbene Meer auf der einen, eine wunderschöne Dünenlandschaft auf der anderen Seite.

Am Saltum Strand darf man sogar Auto fahren
Am Saltum Strand darf man sogar Auto fahren

Wir fuhren mit unserem Auto auf den Strand und parkten direkt am Meer. Nachdem wir ein wenig am Meer entlang spaziert waren und eine Weile Hand in Hand auf einer Düne gesessen und den Blick über den Strand und die Nordsee genossen hatten, viel uns ein, dass wir unsere Drachen extra für diese Reise in den Kofferraum gepackt hatten. Der Wind wehte so stark, dass wir unseren regenbogenfarbenen Lenkdrachen kaum halten konnte. Selten im Leben habe ich mich so frei und lebendig gefühlt wie am Strand von Saltum!

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