Die orientierungslose Generation

Gerade von einer denkwürdigen Geburtstagsparty zurück: 31. Geburtstag des besten Sandkastenfreundes. Die Handvoll Gäste besteht fast ausnahmlos aus alten gemeinsamen Schulfreunden/-innen und ehemaligen Kommilitoninnen. Man kennt sich also untereinander seit Jahren. Kennt die Eltern, Geschwister und Freunde des anderen. Hat gemeinsam auf Abi-Parties gefeiert, gemeinsam zum ersten Mal eine schwule Party besucht, sich bei Liebeskummer ausgeheult und von ersten Sexerlebnissen berichtet. Nun haben wir (fast) alle die magische Schwelle der 30 überschritten und stellen erschüttert fest: Keiner von uns hat ein wirkliches Ziel vor Augen, jeder irrt auf seine Weise orientierungslos durchs Leben.

Der Gastgeber wird zwar für seine halbe Lehrerstelle an einer Gesamtschule in meinen Augen fürstlich entlohnt und dürfte sich auch sonst um seine berufliche Zukunft keine Sorgen mehr machen, kann aber mit nun 31 Jahren noch keine Beziehung aufweisen, die länger als eine Woche gehalten hätte. Wird auch schwer, wenn man auf zwanzigjährige Boys steht und seit bald zehn Jahren Wochenende für Wochenende in den selben Clubs und Parties nach dem Traumprinzen sucht und sein wahres Alter bereits jetzt im gayromeo-Profil beträchtlich nach unten geschraubt hat. C., die einzige aus unserer Gruppe, die seit nun schon zehn Jahren in Lohn und Brot steht, ist von ihrem Verwaltungsjob bei der Bundeswehr dermaßen angeödet, dass sie zu Tode betrübt war, als ihre Bewerbung zu einem Afghanistan-Einsatz letzte Woche aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt wurde. Zwischendurch pflegt sie eine nicht ganz heimliche Fickaffäre mit einem verheirateten Familienvater Ende 40. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, ein geeigneter Vater ist allerdings nicht in Sicht. K. dagegen hat einen zweieinhalbjährigen Sohn, allerdings auch keinen dazugehörigen Vater und zwei Studienversuche und eine Ausbildung abgebrochen. A. wiederum hat nicht nur eine kaufmännische Ausbildung und ihr BWL-Studium mit Erfolg abgeschlossen, sondern auch einen gutbezahlten Job bei einem großen Energielieferanten gefunden und jettet in der Business-Class durch Europa. Unnötig zu erwähnen, dass ihr das graue Büro-Outfit, die Kollegen und ihre Arbeit zum Hals raushängen und im Bett tote Hose ist. Bei S. im Bett ist sicher mehr los, doch nach ihren 18 Semestern Lehramtstudium kann sie sich nicht dazu durchringen, eine Referendariatsstelle anzutreten und lässt sich stattdessen von ihrem wohlhabenden, älteren Freund aushalten. Ihre beste Freundin R. musste ihr Studium wegen eines Aufenthalts in der geschlossenen Abteilung für ein Jahr unterbrechen und ist nun Lehrerin an einer Hauptschule in Hamburg. Mit ihrem Freund hat sie vor einem Monat zum dritten Mal Schluss gemacht. W. ist wie jedes Jahr gar nicht erst zur Party erschienen, denn sie traut sich nicht allein mit dem Auto in die 50km entfernte Großstadt (Hannover) und bleibt lieber in dem Dorf, in welchem sie 29 ihrer 30 Lebensjahre verbracht hat, nachdem ihr Freund sie nach einjährigem Zusammenleben aus der Doppelhaushälfte geworfen hat, um eine andere zu heiraten und eine Familie zu gründen. Einziger Lichtblick der Runde ist M., der sein Medizinstudium selbstverständlich in der Regelstudienzeit absolviert hat und mittlerweile Arzt auf einer Intensivstation ist. Einziger schwarzer Fleck auf seiner ansonsten blütenweißen Weste: Seine in einer anderen Stadt wohnende Freundin sieht er höchstens vier Mal im Monat. Und schließlich ist da noch meine Wenigkeit, der eine bald siebenjährige Beziehung aufweisen kann (und immer noch verliebt wie am ersten Tag!), dessen beruflicher Lebenslauf allerdings eine einzige ziellose Irrfahrt ist.

Den Rest des Abends dann damit verbracht, D. zu beneiden über D. zu lästern, der nicht müde wird, per Telefon und E-Mail von seiner gutbezahlten Stelle als Abteilungsleiter bei Siemens in Süddeutschland, seiner supergutaussehenden Frau, seinem achsoschlauen Kind und seinem prächtigen Haus zu schwärmen.

3 Kommentare »

  1. tomatensalat says:

    Der beste Artikel hier seit langem. Zu dem Siemens-Abteilungsleiter sei gesagt, dass dessen Job auch nicht unbedingt sicher sein muss, man denke nur an BenQ.

  2. ntropie says:

    danke. fühle mich jetzt weniger allein.

  3. ede says:

    und wo ist das problem?
    dann machen halt alle beteiligten in 25 jahren eine gross WG
    da wirds dann lustig und einiges ist aufzuholen, dann.

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A visual exploration of London’s industrial suburbia by Tal Rosner.

Without you

Gleich vier Stücke meines neuen Mixes tragen das Wort Love im Titel. Außerdem gibt es viele Roland 808-Beats und jede Menge Bass zu hören – da lag der klangvolle Name 808 Bass Love auf der Hand.
Der Mix beginnt mit dem fantastisch langsamen Love Nothing von Andy Stott auf Modern Love (schon wieder Liebe!). Anschließend wandeln wir mit Kowton und dBridge in abseitigen Dubstep-Gefilden, bevor es mit Lowtec wieder in eine housigere Richtung geht. Danach folgt eine ultradeepe Phase mit Mohlao und Murmur, beide Platten sind auf dem leider sehr unterschätzem Label Meanwhile erschienen, und eigentlich wollte ich einen kompletten Mix in genau diesem Stil machen. Stattdessen habe ich jedoch wie immer einen All-Time-Favourite ausgegraben, den ich schon immer mal in einem Mix unterbringen wollte: Boy George mit seinem Projekt Jesus Loves You, gefolgt von Redshape, den ich eigentlich gar nicht mag, aber in diesem Fall passte sein Track sehr gut. Für mehr Spaß auf der Tanzfläche gibt es dann noch einen lustigen Breakbeat-Track aus den 90ern, gefolgt von Tensnake, einem meiner derzeitigen Lieblingsproduzenten, zu dessem Retro-Sound der 80er-Jahre Funk-Track von Alexander O’Neal sicherlich eine Inspiration gewesen ist. Und dann ist der Mix nach nur knapp 52 Minuten auch schon wieder zu Ende.

Tracklisting:
01. Andy Stott – Love Nothing
02. Kowton – Basic Music Knowledge
03. dBridge – Love Hotel
04. Lowtec – Workshop 10
05. Mohlao – Individual
06. Murmur – Magnetic
07. Jesus Loves You – Generations Of Love (Andrew Wooden Mix)
08. Redshape – Steam
09. Son’z Of A Loop Da Loop Era – Far Out
10. Tensnake – Coma Cat
11. Alexander O’Neal & Cherrelle – Saturday Love

Download 808 Bass Love DJ Mix

808 Bass Love

Unneccesary things

Kowton – Basic Music Knowledge [Idle Hands]
Kyle Hall – Ghosten [Third Ear Recordings]
dBridge – Love Hotel [Exit Records]
Andy Stott – Love Nothing [Modern Love]
House Of House – Rushing To Paradise (Walkin’ These Streets) [HOH1]
Lowtec – Workshop 10 [Workshop]
Tama Sumo & Prosumer – Rarified (The Oliverwho Factory Mix) [Ostgut]
Mystic Institute – Ob-Selon Mi-Nos (Re-Painted by Global Communication) [Evolution / Universal Language Productions Ltd.]
Mary Cigarettes – I’m Not A Bad Girl [Soundcloud]

Songs for the weekend

Gerade in einem alten Fotoalbum wiedergefunden: Canary Wharf 1995 (oben) und 2009 (unten) – beide Male vom selben Standpunkt aus fotografiert. Finden Sie die Fehler im 2. Bild.

Canary Wharf


Von einem DJ Set zu sprechen, wäre übertrieben: Doch immerhin hatte ich am Pfingstsonntag die Ehre, zum ersten Mal eine öffentliche Veranstaltung zu beschallen. Ort des Geschehens war der Stand der Vulkan Sauna auf dem Hannover Pride, ein schwullesbisches Straßenfest, dass einen CSD-Ersatz darstellen soll.

Als äußerst angenehm empfand ich es, keine feierfreudige Menge zum Tanzen bringen zu müssen, sondern lediglich die Szenerie bestehend aus einem Getränkestand, einer Bratwurstbude und vier Feuerwehrtischen mit Klappbänken musikalisch zu untermalen. Dies gab mir die Freiheit, zehn Stunden lang die Musik zu spielen, die ich wollte: Während der Steintorplatz sich langsam füllte ein wenig Sade und Mariah, den Nachmittag über eine Prise Eurodance, Italo Disco und schwuppenfreundlichen House, und abends, nachdem das Programm auf der Hauptbühne beendet und der Lärmpegel somit gesunken war, holte ich einige meiner eigenen Mash-Ups aus der Kiste. Den schwulen Bärenclub, die diversen Transen und Familien mit Kinderwagen schien auch das Einstreuen von Joy Orbison, Instra:mental oder Tensnake nicht sonderlich zu stören. Überraschung des Tages: Nicht eine einzige Beschwerde und – fast noch schöner – nicht ein einziger Musikwunsch. Stattdessen am Ende sogar ein wenig Lob (“Die Musik hier war viel besser als vorne auf der Bühne”) und eine Frage nach dem Namen eines Songs (“You got the love” von Candy Staton). Für mich ein äußerst gelungener Tag.

Mein erstes DJ-Set

Das gesamte Schreiben war übrigens zwei DIN A4-Seiten lang.

Definition of Underground House Music

Ein neuer Deep House Mix, den ich mit Traktor live aufgenommen habe. Mit einer Spielzeit von knapp 2 Stunden ist der Mix fast doppelt so lang, wie all meine bisherigen Mixe. Die erste Stunde besteht mit Stücken von Erdbeerschnitzel, 6th Borough Project, Lee Curtiss und Soul Clap aus relaxten Deep House Tracks mit einer gehörigen Portion Disco-Flair. Danach geht es mit Karol XVII & MB Valence, Burnski und Alex Niggemann & Superlounge mit slammendem Piano-House in die Vollen. Gegen Ende knallt es noch einmal für wenige Minuten minimal-stumpf, bevor es dann mit Carl Bean und The Jerry Springer Opera wie in fast allen meinen DJ Mixes in ein queeres Finale geht, dass sämtliche Federboas dieser Welt euphorisch wedeln lässt.

Erdbeerschnitzel – Tonight Is Today Is Tomorrow
6th Borough Project – Hang On
Lee Curtiss – The Glow
Lewie Day – That’s The Thing
Marius Vareid – Vallefaret (Jarle Braathem Remix)
Soul Clap – Michael Went To Heaven
Abacus – In Love
Michel Cleis – La Mezca (Charles Webster’s Club Mix)
Christian Burkhardt – Shui (Rick Wade Remix)
Budai & Vic – Suntan Warriorz (Soul Minority Deep Mix)
Karol XVII & MB Valence – D.O.U.H.M.
Burnski – Coming Home
Alex Niggemann & Superlounge – Play House!
Catz’n Dogz feat. Pol_on- Me
Boom Jinx & Andrew Bayer – To The Six
Siopsis – Really Love Ya (Inxec & Matt Tolfrey Remix)
Ethyl & Huxley – Ten.1
Taron-Trekka – Radio Fligg
Willie Graff & Tuccillo – Do it
Carl Bean – I Was Born This Way (Gomi’s Tribute Vocal Mix)
The Jerry Springer Opera – I Just Wanna Dance (Wayne G Circuit Explicit Anthem)

beingboring – Bitter Sweet Smile

Bitter Sweet Smile

Lewie Day – That’s The Thing [Murmur]
Netter Filter-House-Track, der für gute Laune sorgt.

6th Borough Project – Hang on [Instruments of Rapture]
Re-Edit eines mir unbekannten Disco-Klassikers.

Erdbeerschnitzel – Tonight Is Today Is Tomorrow [3rd Strike]
Heftig gefilterter Track zwischen Disco und House mit genialem Live-Feeling.

Marius Vareid – Vallefaret (Jarle Braathen Remix) [Full Pupp]
Das Original ist sympathischer Trance-Sound, der Remix pendelt charmant zwischen Italo-Disco und Piano House.

Trickski – The Warm Up [Delusions Of Grandeur]
Entschleunigter House-Groove mit runtergepitchten Male-Vocals.

Kink – Bitter Sweet [Liebe Detail]
Hands up in the air mit dem berühmtem “Sweet Harmony”-Sample.

Karol XVII & MB Valence – D.O.U.H.M. [Loco Records]
Manchmal steh ich einfach auf diese Hochglanz-Housetracks.

Burnski – Coming Home [2020 Vision]
Noch so ein Hochglanz-Piano-Track mit House-Diva Sample.

Donnacha Costello – Leaving Berlin (Lawrence Remix) [Poker Flat]
Deep House mit der typischen Lawrence-Melancholie.

Phantom Ghost – The Shadow 2 [Dial Records]
Völlig skuriller Song: Gothic meets Piano House. Super!

Songs for the weekend

Diese höchst dekorativen Hydrokristalle habe ich auf einem Markt in Inca (Mallorca) gekauft: Die Hydrokristalle aus dem Päckchen in eine Flasche mit 1 Liter destilliertem Wasser füllen und 4 Stunden stehen lassen, die Wurzeln der Pflanze von Erde säubern und schließlich die Hydrokristalle samt Pflanze in eine Vase geben. Angeblich muss man die Pflanze dank Hydrocrystal nun 4 Jahre nicht mehr gießen. Das Beste: Hydrocrystal gibt es in allen nur erdenklichen Farben. Ich habe mich für eine bunte Mischung entschieden, es gibt jedoch auch einfarbige Päckchen, die man dann auch nach Belieben miteinander kombinieren kann.

Hydrocrystal