Gay-Segeln in Griechenland

Heute ist mir eingefallen, dass ich im August vor 15 Jahren meine erste Gayreise unternommen habe. Lange bevor soziale Netzwerke wie Gayromeo, Gayroyal oder Facebook ihren Siegeszug gestartet haben, hatte ich meine ersten schwulen Kontakte über das Internet kennengelernt. Wie das genau passierte, können sich viele Leser meines kleinen Reieblogs vermutlich gar nicht mehr vorstellen – daher möchte ich ein wenig weiter ausholen, bevor ich von meinem Segelurlaub im Mittelmeer berichte.

Erinnerungen an meine Gay-Segelreise im Jahr 2000

Im Jahr 1999 war ich zum ersten mal online. Damals wohnte ich noch bei meinen Eltern und wir hatten noch keinen Internetanschluss im Haus. Zum Glück gab es an der Uni Hildesheim, wo ich damals studierte, das sogenannte Rechenzentrum. Als Student bekam man dort seine eigene E-Mail-Adresse und konnte kostenlos im Internet surfen. Da dies aber alle Stundenten wollten, im Uni-Rechenzentrum jedoch nur etwa 20 Computer zur Verfügung standen, hieß es hier manchmal bis zu 30 Minuten Schlange stehen, bis man sich an einem freien Rechner einloggen konnte. Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen – und wenn ich daran zurückdenke, wird mir erst bewusst, wie alt ich mittlerweile bin! ;-)

Facebook, Twitter und Konsorten gab es damals natürlich noch nicht. Die ersten Vorläufer, die durchaus bereits den Namen “Soziale Netzwerke” verdienten, waren jedoch bereits geboren. Besonders beliebt unter uns Studenten war z.B. das Portal www.unicum.de der gleichnamigen Uni-Zeitschrift, welche in der Mensa und überall auf den Gängen der Universität kostenlos auslag. Hier konnte man bereits in Internetforen mit anderen Stundenten diskutieren und in Chatrooms miteinander plaudern. Oder man bastelte sich bei Geocities seine erste eigene Homepage. All das geschah selbstverständlich noch unter Pseudonymen – niemand wäre so verrückt gewesen, seinen echten Namen im Internet preiszugeben! Daher dauerte es 15 Jahre, bis ich diesen Reisebericht über meinen ersten Gayurlaub verfasste.

Gay Segeln im Mittelmeer: Unsere Segelyacht im Hafen von Piräus, Athen
Gay Segeln im Mittelmeer: Unsere Segelyacht im Hafen von Piräus, Athen

An einem dieser Tage im Rechenzentrum streife mein Blick zufällig den Monitor meines Sitznachbarn – und dort prankte doch tatsächlich in riesigen Lettern die Überschrift “GAY-CHANNEL”!! Ich schielte noch einmal unaufällig, aber genauer hin, und konnte die URL entziffern, auf welcher der Kommilitone gerade surfte: Es handelte sich um einen Chatchannel der Zigarettenmarke West. Aufgeregt loggt ich mich am nächsten Tag ebenfalls dort ein – und knüpfte im West-Gay-Channel meine ersten Kontakte zu anderen schwulen Männern. Manche der dort gefundenen Freundschaften existieren übrigens bis heute. Einer der Chatter überredete mich dann sogar, ihn auf einem schwulen Segeltörn zu begleiten!

Schwuler Segeltörn in Griechenland

Die Reise führte uns zuerst mit dem Auto über Nizza und Verona nach Venedig. Hier verbrachten wir einige Tage in der Lagunenstadt, bevor wir mit der Fähre nach Griechenland übersetzten. Der Gay-Segeltörn startete in Piräus, dem Hafen von Athen, und führte von dort durch den Saronischen Golf.

An die genaue Route der Segelreise kann ich mich leider gar nicht mehr erinnern. Zu den Inseln, die wir mit der Yacht ansteuerten, gehörten aber unter anderem Ägina, Poros und Spetses. Außerdem besichtigten wir Epidauros, die bedeutendste antike Kultstätte für den Heilgott Asklepios (Asklepieion) in Griechenland. Sie liegt auf dem Gebiet der heutigen Ortschaft Lygourio auf der Peloponnes in der Region Argolis und gehört seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Antikes Amphitheater in Epidauros
Antikes Amphitheater in Epidauros

Wie es sich für einen richtigen Segeltörn gehört, waren wir jedoch nur selten an Land, sondern die meiste Zeit auf dem Wasser unterwegs. Nach einer kurzen Einweisung durch den Skipper konnten wir die Yacht sogar selbst steuern. Ich erinnere mich, wie ich das Boot unter Anleitung des Kapitäns durch tückische Untiefen manövrieren durfte! So segelten wir jeden Tag zu einer anderen Insel und genossen beim Segeln das herrliche Wetter unter der Sonne Griechenlands. Unterwegs hielten wir Badestopps ein, schnorchelten im Mittelmeer oder ließen uns vom Boot ziehen. Einmal sah ich sogar einen Delfin am Segelboot vorbeiziehen.

Junger Mann lässt sich von einer Segelyacht durch's Mittelmeer ziehen
Junger Mann lässt sich von einer Segelyacht durch’s Mittelmeer ziehen

Soweit ich mich erinnere, segelten an Bord der Yacht zehn Passagiere und ein Skipper. Da es sich um einen Segeltörn, und nicht um eine Kreuzfahrt handelte, mussten die Arbeiten an Bord von allen gemeinsam erledigt werden. Wer nur segeln und faul in der Sonne brutzeln wollte, war hier eindeutig falsch am Platz. So wurde bereits zu Beginn der Segelreise bestimmt, wer für die Einkäufe im Hafen, das Kochen und den Abwasch (das war ich) zuständig ist. Zudem war es meine Aufgabe, beim Anlegen im Hafen vom Boot zu springen und die Yacht am Ankerplatz festzutauen – schließlich war ich das Nesthäkchen und der Sportlichste an Bord! ;-)

Schwuler Segeltörn - Ankunft in Spetses
Schwuler Segeltörn – Ankunft in Spetses

Nach einer Woche segeln war der Hafen von Spetses das Ziel unserer Reise. Von hier aus nahmen wir die Schnellfähre, welche uns über Hydra zurück nach Athen brachte. Wir verbrachten noch eine Nacht in einem Hotel in der griechischen Hauptstadt, bevor wir mit der Fähre zurück nach Venedig und von Italien mit dem Auto wieder zurück nach Deutschland fuhren. In Deutschland angekommen, sah ich zum ersten Mal nach drei Wochen blauer Himmel wieder eine Wolke. Der Sommer war vorrüber – aber ich war zum ersten (und bisher letzten Mal im Leben) bis auf den Badehosenstreifen nahtlos braun.

Dieser schwule Segeltörn war übrigens auch jene Reise, auf welcher ich zum ersten Mal das Mittelmeer erblickte. Der Veranstalter der Segelreise war www.maenner-natuerlich.de, ein spezialist für schwule Gruppenreisen, der auch heute noch aktiv ist. Wenn Du gemeinsam mit anderen homosexuellen Männern einen Gay-Segelurlaub, eine Wanderreise oder einen Skiurlaub verbringen möchten, findest Du bei Männer Natürlich mit Sicherheit ein passendes Reiseangebot.

Für gemischte Gruppen mit Männern und Frauen empfehle ich den Reiseveranstalter Kaya Lodge (www.kayalodge.de). Dort kannst Du aus einer großen Auswahl an günstigen Segelreisen im Mittelmeer, aber auch auf den Kanaren und sogar in der Karibik oder auf den Seychellen wählen.

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