Girl Pop

Ich bin mit dem Vorhaben nach London gefahren, den Geist von Dubstep und Drum & Bass in mich aufzusaugen. Zurückgekommen bin ich jedoch mit einer Begeisterung für… Girl Pop. Schuld daran ist mein Gastgeber, der sämtliche Mitglieder von Girls Aloud mit Namen kennt und beim Anblick eines Drittels von Mis-Teeq in den Straßen von Soho in schieres Verzücken geriet – was man von einem 45-jährigen Bänker mit dem 10-fachen meines Einkommens nicht unbedingt erwartet hätte. Abends im Pub wurde voller Begeisterung den gleichaltrigen Freunden von der Zufallsbegegnung berichtet und neidische Blicke geerntet.

Doch schon bald verstand ich, was Girl Pop in London wirklich bedeutet: Der Radiosender Capital FM pumpt die Hits von Britney und Rihanna, Estelle und Shontelle, Cheryl Cole und Alesha Dixon rauf und runter. Die meisten Namen hat man hier in Deutschland noch nie gehört, und wird sie vermutlich auch niemals hören, denn im Gegensatz zu Monrose und Sarah Connor ist dieses hier perfekte Popmusik. So wie damals in den 80ern, als London die Hauptstadt der Popmusik war und man beim Lesen der Bravo glaubte, in London können man keine zehn Meter auf der Straße gehen, ohne nicht zumindest einen weltbekannten Popstar getroffen zu haben.

Die Erde hat sich in der Zwischenzeit zwar weitergedreht, doch in London gibt es ihn noch, diesen Originalgeist der Popmusik. Und so höre ich nun bereits zum mindestens 15. Mal hintereinander die neue Single von Girls Aloud: The Loving Kind – produziert von den Pet Shop Boys – und weine bittere Tränen, dass ich gestern nicht bei meinen neuen Londoner Freunden weilen durfte, die sich gemeinsam vor dem Fernseher versammelt haben, um die Brit Awards zu schauen (welcher geistig einigermaßen Gesunde würde hier bei uns in Deutschland jemals die Echo-Verleihung gucken??).


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