Kettel – Myam James 1 & 2 (Sending Orbs / SO 010)

Sensationell! Ich habe dieses Album von Kettel bei Twitter ja schon als Album des Jahres betitelt – allerdings ohne zu wissen, dass Teil 1 bereits im vergangenen Jahr erschienen ist. Ist aber auch egal, denn ich bin sprachlos vor Begeisterung, und versucht zu sagen, dass dies die tollste Musik ist, die mir jemals im Leben zu Ohren gekommen ist.

Kettel, der im richtigen Leben Reimer Eising heißt, ist schon seit Jahren in der IDM-Szene unterwegs – bisher waren mir seine Beats aber meist zu frickelig und die Sounds zu glitchig. Auf Myam James schmeißt er nun alles experimentelle über Bord und macht stattdessen einfach nur tolle Musik: Auf Myam James Part 1 macht sich vor allem eine Roland 303 bemerkbar, die fast in jedem Song vor sich hin zwirbelt. Dazu gibt es für IDM-Verhältnisse ziemlich rockende Beats und man würde sich wünschen, dass DJs solche Songs auch mal auf der Tanzfläche spielen würden.

Myam James Part 2 verzichtet dann weitesgehend auf Acid-Basslines und konzentriert sich eher auf die ruhigen Momente im Leben: Zwar gibt es auch hier einige Stücke, die mehr nach vorne gehen – der Großteil ist aber eher fast Kammermusik. Romantische Pianominiaturen, traurige Streicher und sogar ein Spinett gibt sich die Ehre, was dem ganzen einen gerade barocken Touch gibt.

Was beide Alben gemeinsam haben, sind die wunderbaren Melodien: Bittersüß und  kitschig, zwischen Klassik und Techno, perfektioniert Kettel auf Myam James 1 & 2 den Sound, den Aphex Twin, Plaid und Boards Of Canda einst begründet haben. In Zukunft muss sich alles, was als Intelligent Dance Music bezeichnet werden möchte, an diesem doppelten Meisterwerk messen lassen.

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