Musik höre ich nur zuhause

Während ich an einem Oktobernachmittag bei 28 Grad am Strand Es Cavallet am Südzipfel Ibizas saß, nackte Menschen an mir vorbeizogen, eine Yacht 20 Meter vom Ufer entfernt vor Anker ging und ich meine Blicke rüber nach Formentera schweifen ließ, fiel mir ein, dass ich ja mein iphone in der Tasche hatte – inklusive einer Italo Disco Playlist und einer Chill-Out-Compilation. Eigentlich der perfekte Soundtrack, extra geschaffen und auf unzähligen Ibiza-Doppel-CDs tausendfach beworben für genau diese Kulisse.

Auch im Flugzeug oder in der Londoner U-Bahn überlege ich oft, mir Kopfhörer in die Ohren zu stecken – und lasse es dann doch bleiben. Stattdessen entscheide ich mich dafür, die originale Soundkulisse dieser Orte in mich aufzusaugen: Das Rauschen des Meeres am Strand von Ibiza, das Dröhnen der Turbinen und die Durchsagen der Stewardess an Bord des Flugzeuges und das Rumpeln der Londoner Underground und die englischen Gesprächsfetzen um mich herum. Hier brauche ich keine künstliche Soundtapete. Die hebe ich mir für Zuhause auf – und da läuft ununterbrochen Musik, wenn ich zu den Klängen von Burial in Gedanken durch verregnete Londoner Straße laufe, oder zu einem darken Techno-Mix über imaginäre futuristische Highways düse.

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