Parkplatzsex
Ok, ein Thema, über das ich schon lange schreiben wollte: Was viele heterosexuell veranlangte Menschen (auch wenn es selbst in diesen Kreisen sowas geben soll) vielleicht nicht wissen, ist, dass ein rolliger schwuler Mann eigentlich bloß den nächsten Autobahnparkplatz ansteuern muss, um seinen Druck loszuwerden. Und auch wenn Sex im Unterholz oder auf Parkplatzbänken und -tischen beileibe nicht das Bequemste ist, so hat dieses Phänomen doch einen ganz besonderen Vorteil: Berufshomosexuelle, die sich bevorzugt in Szenespelunken herumtreiben bilden hier eher die Ausnahme. Stattdessen trifft man hauptsächlich auf vermeintlich anständige Ehemänner, Familienväter und Lastwagenfahrer, die ihre heimlichen Neigungen ausleben.
Nun findet man derartige Treffpunkte nicht nur an den großen Autobahnen, sondern auch an vielen Landstraßen in der Provinz – und ich habe schon so einige davon gesehen. Was sich allerdings auf den Parkplätzen zwischen Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach (mein neuer Wirkungskreis sozusagen) abspielt, hat dann aber selbst mich erstaunt: Es wird ohne Gummi gevögelt, in weit geöffnete Mäuler gespritzt und Sperma geschluckt, als hätte es AIDS niemals gegeben. Und das nicht nur unter dem jüngeren Publikum, das vermutliche ohne Hella-von-Sinnen-und-Ingolf-Lück-Gib-AIDS-keine-Chance-Spots aufgewachseln ist, sondern noch viel häufiger unter den älteren Semestern, von denen die meisten mit hoher Wahrscheinlichkeit Frau und Kinder zuhause haben. Da muss selbst ich mal mit dem erhobenen Zeigefinger schimpfen und den Moralapostel raushängen lassen.
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2 Comments
Ich habe leider noch nicht mal den Eindruck, dass dieses Phänomen auf Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach oder auf Parkplätze beschränkt ist.
Das gleiche spielt sich doch auch in den Sexshops und -kinos, Dunkelräumen und Saunen ab. AIDS ist aus dem Blickfeld gerückt und damit auch die Angst vor einer Ansteckung.
Und die großformatigen Hochglanzanzeigen der Pharmaindustrie in der schwulen Presse unterstützen doch auch den Eindruck, eine HIV-Infektion ist wie eine kleine Grippe. Damit kann man doch “super” leben. Hier ein paar kleine Pillen, und alles ist gut…
Aber den “Moralapostel” zu spielen halte ich trotzdem für falsch. Denn das wird in den meisten Fällen nur das Gegenteil bewirken.
Was fehlt ist wieder eine breit angelegte Aufklärung. Prominente die mit ihrer Infektion an die Öffentlichkeit gehen. Unterstützung des Staates für Hilfe und Selbsthilfegruppen. Mehr Engagement in der Forschung, und und und…