Wanderung zur Playa Güigüí auf Gran Canaria

Da sich das Wetter auch an unserem dritten Urlaubstag auf Gran Canaria nicht anschickte, auch nur einen kleinen Deut besser zu werden, entschlossen wir uns zu einem weiteren Wanderausflug in die Berge. Nachdem wir am Vortag bereits auf die Montana de Tauro und rings um den Stausee Embalse de la Cueva de las Ninas gewandert waren, wählten wir für heute gleich einen echten Härtetest: Die Wanderung zum Strand von Güigüí.

Auf meine Youtube-Kanal habe ich übrigens auch ein Video von unserer anstrengenden Wanderung zur Playa Güi Güi hochgelanden:

Wanderung zur Playa Güigüi, dem einsamsten Strand auf Gran Canaria

Der Güigüi-Strand (auf Spanisch auch Playa Güigüi (bzw. Guguy oder Guigui) genannt) ist ein abgelegener Strand auf Gran Canaria, welcher nur per Boot oder über eine 2-stündige Wanderung zu erreichen ist. Ausgangspunkt der Wanderung zum Playa Güigüi ist der winzige Ort Tasartico, welcher in einem Barranco an der Westküste der Insel liegt. Außer einer Handvoll Häuser und einigen Tomatenplantagen gibt es dort nichts.

Start der Wanderung in Tasartico
Start der Wanderung in Tasartico

Direkt nach dem Ortsausgang von Tasartico endet auch die Asphaltstraße. Hier parkten wir unseren Mietwagen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Playa Güigüi. Nachdem wir dem Schotterweg für knapp 1 Kilometer gefolgt werden, kletterten wir rechts über eine Wasserleitung und den Hang hinauf durch das Naturschutzgebiet von Güigüi. Über Serpentinen, Steilstufen und rutschige Passagen kletterten wir etwas eine Stunde lang bis zum Durchstich am Sattel Degollade de Aguas Sabinas auf einer Höhe von 745 Meter hinauf.

Wanderweg zum Güigüi-Strand
Wanderweg zum Güigüi-Strand

Von hier oben hatten wir einen herrlichen Ausblick auf den blauen Ozean und sogar den Gipfel des Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa. Ab hier erfolgte der Abstieg hinunter zum Güigüi-Strand. Die Wanderroute windet sich durch zahlreiche Serpentinen und zwei kleinere Seitenbarrancos bis hinunter zum Meer. Der Güigüi-Strand wird von hoch aufschießenden Felswänden eingerahmt. Seine von Natur aus gegebene abgeschiedene Lage hat sich zwar mittlerweile unter Wanderern und Aussteigern, die teilweise tagelang am Strand campieren, herumgesprochen. Neben dem Strand selbst ist aber auch der Barranco mit seiner herrlichen Trockenvegetatin und der herrliche Ausblick auf das Meer bis Teneriffa die Mühen und Strapazen der Wanderung wert.

Der zweite Teil der Wanderung zum Playa Güigüi
Der zweite Teil der Wanderung zum Playa Güigüi

Ankunft an der Playa Güi Güi

Kurz bevor man den Guigui-Strand erreicht, erwartet den erschöpften Wanderer übrigens noch eine Wanderung: An diesem entlegenen Ort an der Küste Gran Canarias haben sich tatsächlich einige Aussteiger und Einsiedler niedergelassen. Sie leben hier in äußerst rudimentären Fincas. Gesehen habe ich die Menschen, die hier in aller Einsamkeit leben, leider nicht. Aus dem Inneren der Fincas erklangen jedoch Stimmen, sogar von Kindern.

Einsiedler-Finca am Güi Güi-Strand auf Gran Canaria
Einsiedler-Finca am Güi Güi-Strand auf Gran Canaria

Die Bewohner einer weiteren Aussteiger-Finca haben sogar ein kleines Café eingerichtet, in welchem Kaffee, Tee und Wasser angeboten werden. Wer die Strapazen der Wanderung zur Playa Güi Güi unterschätzt und nicht ausreichend Proviant und Wasser in den Rucksack gepackt hat, kann sich hier also im Notfall noch mit dem nötigsten Versorgen. Verlassen würde ich mich auf das Angebot jedoch nicht, denn die Besitzer der Finca habe ich nicht gesehen. Und wie sie frisches Wasser, Kaffee und vor allem Milch in dieses wohl entlegenste Café auf den Kanaren transportieren, ist mir ohnehin schleierhaft. Vermutlich verfügen sie über ein Boot. Den der Wasserweg zum Strand Güi Güi dürfte deutlich bequemer sein, als der Fußweg über die Berge.

Außer uns waren mit uns nur ein deutscher Wanderer und ein spanisches Ehepaar unterwegs zum Güigüi-Strand. Wer eine Wanderung auf Gran Canaria weit weg vom Massentourismus sucht, findet hier genau die richtige Route. Allerdings sollte man die Anstrengung nicht unterschätzen: Schließlich muss man den anstregenden Weg zum Strand auch wieder zurück wandern.

An der Playa Güigüi angekommen waren wir dann aber doch von der recht großen Anzahl an Menschen überrascht. Wir wir jedoch bald feststellen, waren nur die wenigsten Strandbesucher den beschwerlichen Wanderweg über die Berge geklettert. Die meisten Badegäste waren bequem mit dem Boot zur Playa Güigüi gekommen. Einige Segelboote dümpelten im Wasser vor dem Guigui-Strand. Eine komplette Reisegruppe wurde später von einem Motorboot abgeholt.

Playa Güigüi: Strand Guguy oder Guigui auf Gran Canaria
Playa Güigüi: Strand Guguy oder Guigui auf Gran Canaria

Punto de Guigui Chico – der einsamte Strand auf Gran Canaria

Was viele Urlauber nicht wissen: Es gibt eigentlich 2 Strände. Denn neben der Playa Guigui befindet sich noch ein weiterer Strand, welcher auf den Namen Punto de Guigui Chico getauft wurde! Dieser ist sogar noch schwieriger, nämlich nur bei Ebbe trockenen Fußes zu erreichen. Zum Glück herrschte zum Zeitpunkt unserer Ankunft gerade Ebba, sodass ich auch dem Punto de Guigui Chico einen Besuch abstatten konnte. Obwohl er von der Playa Güi Güi nur von einem Felsvorsprung getrennt und beuquem durch das Wasser watend in wenigen Minuten zu erreichbar war, befanden sich hier nur sehr wenige Menschen. Der Punto de Guigui Chico war somit wirklich das, was ich mir als einsamsten Strand auf Gran Canaria vorstellt hatte. Plötzlich fiel mir jedoch ein, dass das Wasser nach der Ebbe weiter ansteigen und mir somit den Rückweg zum Guguy-Strand abschneiden könnte. Also machte ich mich schleunigst wieder auf den kurzen Rückweg zur Playa Güi Güi. Hier badete ich noch eine Weile im Meer und führte einige Unterwasserexperimente mit meiner neuen GoPro4 durch, bevor es Zeit wurde, zum Auto zurückzukehren. Und der Rückweg vom Strand hatte es in sich: Wir wurden auf eine richtige Willensprobe gestellt und gerieten wirklich an unsere körperliche Leistungsgrenze!

Beschwerlicher Rückweg vom Gui Gui-Strand nach Tasartico

Der Aufstieg auf dem Rückweg ist zwar nicht ganz so steil, dafür aber deutlich länger als auf dem Hinweg. Zudem gibt es auf der gesamten Strecke fast keinen Schatten, sodass man ständig in der prallen Sonne wandert. Wobei von Wandern hier kaum noch die Rede sein kann: Der Weg führt ausschließlich über Steine und Geröll, an manchen Passagen muss man sich auf allen Vieren die Felsvorsprünge hinauf ziehen. Man muss wirlich bei jedem einzelnen Schritt aufpassen, dass man nicht ausrutscht und im schlimmsten Fall den steilen Abhang hinunter fällt. Hinzukommt, dass man nach dem langen Hinweg und dem Baden im Meer natürlich nicht mehr so viele Kräfte hat.

Falls Ihr zur Playa Güi Güi wandern wollt, solltet ihr daher unbedingt folgendes beachten:

  • Die Wanderung zur Playa Güi Güi ist auf keinen Fall für Familien mit Kindern geeignet
  • Wandert wenn möglich nicht alleine
  • Nehmt ausreichend Wasser mit: Mindestens 2 Liter pro Person, besser mehr
  • Proviant nicht vergessen: Wir hatten lediglich 4 Sandwiches dabei, was deutlich zu wenig war
  • Schmiert Euch mit Sonnencreme ein
  • Wer an gesundheitlichen Problemem leidet, sollte die Wanderung ebenfalls vermeiden
  • Nehmt auf jeden Fall ein Handy mit (auch wenn man am Guigui-Strand eh und unterwegs eh keinen Empfang hat, kann man im Notfall z.B. Leuchtzeichen geben)
  • Nehmt Toilettenpapier mit, denn es gibt weit und breit keine Klos
Rückweg vom der Playa Güi Güi nach Tasartico
Rückweg vom der Playa Güi Güi nach Tasartico

Und wenn man endlich wieder oben auf dem Gipfel steht und denkt, dass man nun fast wieder zurück beim Auto ist, kommt es nochmal ganz dicke: Denn der Abstieg hinab nach Tasartico hat es in sich. Zwar ist der Weg bergab körperlich nicht so anstrengend wie bergauf, doch das Klettern geht ganz schön auf die Kniegelenke! Während es meinem Kreislauf wieder deutlich besser ging, fingen plötzlich meine Knie sehr stark an zu schmerzen, sodass wir beim Abstieg mehrere Pausen einlegen mussten.

Erschöpfte Wanderer auf dem Rückweg vom Guigui-Strand
Erschöpfte Wanderer auf dem Rückweg vom Guigui-Strand

Weder in Tasartico noch am Playa Güigüi gibt es Möglichkeiten, Getränke zu kaufen oder auf die Toilette zu gehen. Die Wanderer müssen daher ausreichend Wasser und Nahrung in den Rucksack packen. Zudem gibt es unterwegs kaum Schatten: Wir haben die Wanderroute im Winter absolviert und sind dabei schon gehörig ins Schwitzen geraten. Im Sommer wird es auf dem Wanderweg noch deutlich heißer sein.

Rückweg vom Güigüi-Strand nach Tasartico
Rückweg vom Güigüi-Strand nach Tasartico

Zudem kann die Wanderung zum Güigüi-Strand nur mit dem Mietwagen oder Taxi unternommen werden, da sich die nächste Bushaltestelle 6,5 Kilometer von Tasartico entfernt befindet. Übrigens kann auf dieser Wanderung auch der Strand Gügigüi Chica besucht werden. Jedoch sollte man sich zuvor nach den Gezeiten erkundigen, da dieser Nachbarstrand nur bei Ebbe erreicht und wieder verlassen werden kann. Wer einen Wanderurlaub auf Gran Canaria plant, sollte sich dieses Abenteuer jedoch auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Zurück an unserem Mietwagen waren wir jedenfalls heilfroh, die Wanderung zur Playa Güigüi lebend überstanden zu haben! Auf diesem Foto sieht man uns die Erschöpfung sicher sehr gut an:

Wanderung zur Playa Güi Güi: Völlig kaputt
Wanderung zur Playa Güi Güi: Völlig kaputt

 

Karte – Route von Tasartico zum Güigüi-Strand

Zum Schluss habe ich noch eine kleine Karte für Euch: Da es keine Straße zum Güigüi-Strand gibt, kann Google-Maps jedoch nur die ungefähre Richtung angeben. Doch zumindest findet Ihr so den kleinen Ort Tasartico, den Ausgangspunkt der Wanderung zum Güigüi Beach.

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