Recomposed By Carl Craig & Moritz Von Oswald (Deutsche Grammophon)

2008 ist das Jahr, in dem Techno und Klassik miteinander verschmelzen. Den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung markiert nun dieses Album von Carl Craig und Moritz von Oswald, welche unter Leitung von Herbert von Karajan aufgenommene Originalaufnahmen von Maurice Ravels Bolero sowie Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung in das Dubtechno-Gesamtwerk von Basic Channel integrieren.

Das beatlose Intro beginnt auch gleich sehr vielversprechend elegant mit stimmungsvollen Streichern, Flöten sowie leichten elektronischen Akzenten und geht nach circa 6 Minuten in das zweite Stück (Movement 1 genannt) über, in welchem man noch deutlich den bekannten Rhythmus des Boleros erkennt. Im dritten Stück (Movement 2) gesellen sich diesem Rhythmus dann einige Bläser-Loops dazu – und die klingen in meinen Ohren dermaßen nervtötend, dass ich gleich zu Movement 3 weiterskippe. Hier bemerkt man zum ersten Mal, dass man sich ja auch irgendwie in einem Technoalbum befindet, denn elektronische Loops verdrängen die trötenden Bläser. Klingt jedoch leider auch irgendwie ziemlich schwachbrüstig, und auch der sich in Movement 4 dazu gesellende Beat macht das Ganze nicht spannender. Basic-Channel- und Carl-Craig-Fans werden es aber vermutlich trotzdem in den Himmel jubeln.

Im sechsten Stück (Interlude) bin ich aber wieder voll dabei: Der Bolero (oder das, was von ihm übrig blieb) verschwindet, und von ganzen unten schleichen sich dramatische Streicher heran. Da ich das Original nicht kenne, vermute ich, dass es sich hier um Elemente aus Mussorgskys Bilder einer Ausstellung handelt.

Die letzten beiden Stücke (Movement 5 und Movement 6) klingen dann so, wie ich mir die Verschmelzung aus Klassik und Techno vorgestellt habe: Das gesamte Orchester wandert in den Sampler, vorne die Streicher, hinten die Bläser, und dazwischen dudeln die Flöten und Fagotte und irgendwann gesellt sich ganz weit hinten ein dezenter House-Beat dazu. Zum Glück sind diese beiden Highlights des Album mit 13 bzw. über 14 Minuten Spielzeit auch die längsten des Albums, welches somit doch noch ein versöhnliches Ende findet, und vermutlich das erste Techno/Klassik-MashUp sein wird, welches auch unter Klassik-Fans seine Hörer findet.

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