Reisetagebuch: Tag 3 (Bangkok)

Der dritte Tag unserer Reise ist der erste komplette Tag in Bangkok. Nachdem wir uns in den letzten 48 Stunden hauptsächlich auf Flughäfen und in Flugzeugen befunden haben, wachen wir heute erst um 12 Uhr mittags auf und haben das Frühstück somit verpasst. Nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan beschließen wir, von der nahegelegenen Surasak-Station mit dem Skytrain zum Siam Square zu fahren. Das Exotischste, was wir auf dem kurzen Fußmarsch vom Hotel zur Sky-Train-Station sehen, sind ein mit Ananas vollbeladener Kleinlaster und eine Gruppe Bauarbeiter, die auf der Ladefläche eines Pick-Ups unterwegs sind. Da es bisher nur zwei Linien gibt, ist das Sky-Train-Netz noch sehr übersichtlich: Die Züge sind neu und modern, selbstverständlich klimatisiert und die Fahrgäste unterscheiden sich mit ihren iPhones und MP3-Playern bis auf die Schlitzaugen kaum von europäischen Großstädtern. Die Bahnstrecke führt vorbei am Royal Bangkok Sports Club, einer riesigen Grünfläche inklusive Golfplatz und Pferderennbahn inmitten der Betonwüste Bangkok. Ich muss an Zirkuskind, mein erstes Buch von John Irving, denken. Aber das spielte ja in Indien.

Nach etwa 10-minütiger Fahrt erreichen wir den Siam-Square, ein vollklimatisiertes Einkaufs- und Vergüngungsviertel bestehend aus großen Kaufhäusern und Einkaufsarkaden – also genau das Richtige für Asien-Neulinge wie uns. Aus dem Sky-Train stolpern wir über eine Fußgängerbrücke direkt in das Siam Paragon -  warum das modernste Einkaufszentrum der Stadt auch „The Pride Of Bangkok“ genannt wird können wir uns denken, als wir die Preisschilder entdecken: Alle Luxusmarken dieser Welt sind hier versammelt – die Preise unterscheiden sich allerdings nicht im Geringsten von denen in London, Paris oder New York. Dabei wollten wir doch in Bangkok ein paar Schnäppchen machen – also schnell weiter. Der Weg führt uns durch das Siam Center und das Siam Discovery Center schließlich über eine weitere Fußgängerbrücke ins Mah-Boon-Krong-Center (MBK). Das Preisniveau im MBK ist deutlich niedriger als in den vorherigen Kaufhäusern, so dass sich hier auch normalsterbliche (Mittelschicht-) Thais einen Einkauf leisten können. Entsprechend dicht ist das Gewusel zwischen den unzähligen kleinen Geschäften, die sich über 7 Stockwerke verteilen. Neben Klamotten- und Handy(hüllen)-Geschäften fallen uns vor allem die zahlreichen Massage- und Wellnessläden auf. Wer sich beim Shoppen zwischendurch eine Thai-Massage oder Gesichtsbehandlung gönnen möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

Nachdem wir mehrere Stunden durch das MBK gebummelt sind – allerdings ohne etwas zu kaufen, dafür ein weiteres köstliches Thai-Curry intus – vergnügen wir uns damit, von der Fußgängerbrücke aus den Verkehr zu beobachten. Warum hier überhaupt jemand mit dem Auto unterwegs ist, bleibt uns schleierhaft. Umso schneller voran kommt man mit dem Motorroller, auf dem häufig ganze Familien (Vater, Mutter und 2 Kinder) oder auch mal 3 Erwachsene sitzen.

Langsam wird es dunkel, ein Gewitter zieht auf und leichter Regen fällt. Über eine Fußgängerbrücke, die unterhalb der Sky-Train-Strecke entlangführt, wandern wir langsam zurück bis zum Erawan-Schrein. Mittlerweile ist es stockdunkel, wir aber noch kein bißchen müde. Daher beschließen, anstatt zum Hotel zurückzufahren, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen: Zu Fuß wandern wir die vom Feierabendverkehr vollkommen verstopfte Ratchadamri Road entlang. Unser Ziel ist der Baiyoke Tower 2, das höchste Gebäude Thailands, welches uns aus der Ferne entgegenfunkelt. Irgendwann versperrt uns eine Baustelle den Weg, wir kommen von der Hauptstraße ab und bahnen uns den Weg durch schmale Seitenstraßen (Sois). Straßenbeleuchtung gibt es hier nicht, dafür werden die Häuser baufälliger und die Gerüche der Garküchen exotischer. Mitten in solch einer dunklen Gasse stehen wir dann plötzlich vor dem beeindruckenden Wolkenkratzer – gemeinsam mit etwa 30 weiteren Touristen, die vor dem Aufzug zur Aussichtsplattform schlangestehen. Urplötzlich haben wir keine Lust mehr, von oben auf Bangkok herab zu blicken, Müdigkeit und Hunger überfallen uns und so langsam wäre auch mal wieder eine Dusche fällig (merke: es herrschen auch abends immer noch über 30 Grad).

Zu Fuß geht es zurück zum Siam Square, an einem Mini-Kiosk kaufen wir noch ein paar Flaschen grünen Eistee und steigen in den Sky Train Richtung Hotel. Während der Fahrt fällt mir beim Studieren des Fahrplans auf, dass sich in der Nähe der nächsten Station das Rotlicht-Viertel und der Nachtmarkt Patpong befinden. Durch den erfrischenden Eistee wieder einigermaßen zu Kräften gekommen, steigen wir also an der Station Sal Daeng aus. Schon am Fuße der Treppe begrüßt uns ein Lockvogel mit einer ganzen Brochüre nackter Thai-Boys (die Frauen zeigt er mir erst gar nicht, was mir natürlich zu denken gibt). Wir lehnen dankend ab. Faszinierender erscheint uns dagegen das Fish-Spa an der nächsten Straßenecke. Aber da uns langsam klar wird, dass wir (noch?) nicht für derartige exotische Erfahrungen offen sind,  bummeln lieber vorbei an den Prostituierten der Thaniya Road, wo ich M. erklären muss, was eine Ping-Pong-Show ist. Ansonsten ist Patpong in etwa das Pendant zur Hamburger Reeperbahn: Statt zu ficken werden hier hauptsächlich Touristen abgezockt.

Irgendwann am Ende dieses langen Tages kamen wir schließlich zu Fuß aber glücklich wieder in unserem Hotel am Ende der Silom Road an. An unserem ersten Tag in Asien hatten wir uns ziemlich wacker geschlagen, fanden wir…

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