Sven Weisemann – Xine Zero [Wandering]

Sven Weisemann ist ein Phänomen: Bekannt wurde er durch filigrane Dubtechno-Veröffentlichungen, in seinen DJ-Sets irritiert er das Publikum mit discoiden Houseplatten und auf youtube sieht man ihn an einem E-Piano süßliebliche Neoklassik interpretieren.

Spätestens seit sich Sven Weisemann auch auf seinen Platten zu seiner Vorliebe für klassische Musik bekennt, bin ich Fan. Seit gerade erst erschienenes Album Xine habe ich leider noch nicht gehört, doch wenn es nur ansatzweise so majestätisch wie diese EP wird, ist es schon jetzt ein Klassiker der elektronischen Musikgeschichte. Die Platte beginnt mit Xine Light, einem kurzen Pianostück mit zarter Streicheruntermalung. Xine Rising beginnt mit ethärischen Chords, zu denen sich nach einiger Zeit ein zarter Housebeat gesellt, der mit sparsamen, aber dafür umso dramatischer platzierten Klavierakkorden garniert wird. Wer hier denkt, es könnte nicht mehr besser werden, der irrt: Im 11-minütigen Titelstück Xine Zero zieht Sven Weisemann nämlich alle Register seines Könnens: Ein House-Rhythmus im Stile eines Chez Damier dient als Fundament für zarte Dubchords und Weisemanns Klavierkünste, die hier voll zur Geltung kommen. Oben drauf gibt es noch ein nur kurz angerissenes, doch zum Träumen anregendes Saxofonriff, das man zwar schon von seiner Light Soil EP kennt, was aber absolut nichts ausmacht, da es an alte Drum & Bass Tracks erinnert, was heute leider viel zu selten passiert. Und wenn dann am Ende noch die klagenden Streicher ertönen, ist es sowieso um mich geschehen. Für mich mit Abstand die beste Platte des Jahres – wenn nicht des Jahrzehnts.

One Response to “Sven Weisemann – Xine Zero [Wandering]”

  1. Das Album ist riesig. Review kommt die Tage noch. Wenn du Ralf Hildenbeutels Klavieralbum kennst, dann klingt Weisemanns im Vergleich viel weniger trancig. Er erzeugt eine unglaublich tiefe Stimmung. Super produziert.
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