Unendlicher Spaß


Auf den Roman Unendlicher Spaß (Originaltitel Infinite Jest) von David Foster Wallace wurde ich über die üblichen Nachrichtenquellen im Internet aufmerksam. Der Name des Autors sagte mir zunächst nichts, obwohl ich erst während des Lesens von Unendlicher Spaß bemerkte, dass ich zuvor bereits ein anderes Buch (Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich) von David Foster Wallace gelesen, dieses jedoch für schlecht befunden hatte (das kommt dabei heraus, wenn man sich auf die Amazon-Leseempfehlungen verlässt).

Um den stattlichen Preis von 39,90 Euro für ein Buch zu umgehen, ließ ich mir Unendlicher Spaß schließlich im vergangenen Oktober zum Geburtstag schenken und begab mich auf meinen literarischen Jakobsweg. Wenn man das erste Kapitel erstmal überstanden hat, kann man sich auf knapp 1600 Seiten an einem Feuerwerk sprachlicher Kreativität, der ungeheuren Themenvielfalt und dem beißenden Humor des Romans erfreuen und wünscht sich tatsächlich, dass das Werk ein im wahrsten Sinne des Wortes unendlicher Spaß wäre. Nach den ersten 500 Seiten hat man sich auch einigermaßen in der Welt zwischen der Enfield Tennis Akademie und der Drogenrehabilitationsklinik zurecht gefunden, sich an die scheinbar wahllosen Erzählperspektiven, Ortswechsel und Sprachstile gewöhnt und sich die ersten Namen der auftretenden Charaktere gemerkt. Ob es auch Zeitsprünge gibt, kann ich auch jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen – zumindest das erste Kapitel, welches insgesamt ziemlich aus dem Rahmen fällt und einen echten Klopfer darstellt, spielt im Jahr des Glad-Müllsacks, während der Großteil der restlichen Handlung im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche und somit zeitlich vor dem ersten Kapitel. Überhaupt sollte man das 1. Kapitel noch einmal lesen, wenn man sich bis zum Ende des Buches durchgekämpft hat….

Zahllose Sätze und Formulierungen hätte ich mir beim Lesen gerne für die Ewigkeit angestrichen oder aufgeschrieben; einige habe ich zumindest getwittert. Doch bei all den Lobeshymnen fielen mir zumindest zwei Aspekte des Romans doch recht negativ auf: Auch wenn man auf eine wirkliche Handlung auf Grund der Fülle an literarischen Schmankerln gerne verzichtet, wirkt Unendlicher Spaß ab der 1000. Seite plötzlich auf unangenehme Weise beliebig und das Ende kommt trotz 1547 Seiten geradezu unverhofft: So kommt die rollstuhlfahrende Separatistengruppe “Assassins des Fauteuils Rollents” (A.F.R.) dem Master-Band scheinbar aus heiterem Himmel auf die Spur und der Showdown in Form eines Tennisturniers zwischen der A.F.R. und den Schülern der Tennisakademie, auf den scheinbar alles hinausläuft, fällt komplett unter den Tisch. Vermutlich hat sich der genial-verrückte Autor etwas dabei gedacht. Als gewöhnlicher Leser kann man aber auch den Eindruck bekommen, David Foster Wallace hätte nach 1000 Seiten den Überblick verloren. Ein “richtiges” Ende wäre mir nach 6 Monaten und 1600 Seiten schon irgendwie lieber gewesen (vor allem, wenn man gar nicht damit gerechnet hat).

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