10 Wörter, die ich 2015 in keinem Reiseblog mehr lesen möchte

10 Wörter, die ich in keinem Reiseblog mehr lesen möchte

Liebe Reiseblogger,

nicht nur aus privaten, sondern auch aus beruflichen Gründen habe ich mich in den vergangenen Jahren viel mit dem Thema Reiseblogs beschäftigt. Ich habe Kontakte zwischen Reisebloggern und Reiseveranstaltern und Hotels geknüpft (Blogger-Relations nennt man das wohl in Agentursprech), Bloggerreisen organisiert – ja, vielen Veranstaltern und Hoteliers habe ich sogar erklärt, was man überhaupt unter einem (Reise-) Blog versteht und wie (Touristik-) Unternehmen davon profitieren können. Und nebenbei habe ich in meiner Freizeit eher zufällig damit begonnen, diese einst private Homepage in ein Reiseblog zu verwandeln.

Nur eines habe ich in all der Zeit nicht getan: Reiseblogs gelesen!

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Viele Reiseblogger haben leider vergessen, über das eigentlich wesentliche Thema ihrer Blogs zu schreiben: Das Reisen.

Nun, wir alle müssen Geld verdienen, um unsere Mahlzeiten, unsere Kleidung, unsere Handyrechnungen oder unsere Miete zu bezahlen. Obwohl: Miete? Ein Großteil der Reiseblogger bezeichnet sich mittlerweile als Digitale Nomaden ohne festen Wohnsitz. Anstatt aus einem WG-Zimmer im aktuell angesagtesten Berliner Szenebezirk bloggen Digitale Nomaden nämlich längst aus einem billigen Hostel, einem hippen Surfe Office oder einfach unter der nächsten freien Palme irgendwo in Südostasien – hauptsache Gratis-WLAN! Der nächste Flug oder die nächste Unterkunft wird in Form von Kooperationen mit Reiseveranstaltern und Hotels zusammengeschnorrt. Ob das später mal für die Rente reicht, bleibt abzuwarten…

Das Geld für das nächste Abendessen wird dann mit einem Advertorial über die beste Auslandskrankenversicherung, die günstigste Kreditkarte oder den ultimativsten Backpacker-Rucksack verdient. Wer etwas mehr auf sich hält (oder gerade ohne Geld für den nächsten Flug, aber dafür mit umso mehr Zeit, in Indien, Thailand oder Myanmar festsitzt) oder sich einfach nur zu Höherem berufen fühlt, schreibt auch gerne mal ein E-Book. Das will zwar in der Regel niemand kaufen, aber vielleicht fallen immerhin ein paar Backlinks von anderen Reiseblogs oder (im besten Fall) Spiegel Online ab.

Für das Fußvolk unter den Reisebloggern, die nicht ständig auf kostenlose Blogger- und Pressereisen eingeladen werden, aber trotzem ihr Blog mit Inhalten füllen müssen, um über Google Traffic auf der Seite zu generieren, bleibt da nur noch das Schreiben von Bucketlists sowie Packlisten für die unterschiedlichsten Reisearten: Packlisten für Backpacker, Städteurlaub, Hochtouren im Gebirge, Geschäftsreisen, Weltreisen, Klassenfahrten, Campingurlaub, Pilgerreisen oder Rock am Ring sind nur ein paar Beispiele, welche die Suchmaschine unsere Vertrauens bei einer entsprechenden Suchanfrage ausspuckt. Und wenn mir gar nicht mehr einfällt, erkläre ich Euch, wie ich im Internet den günstigsten Flug buchen kann oder liste meine Fotoausrüstung im Reiseblog auf – vorher knipse ich aber noch schnell ein witziges Selfie auf Instagram!

10 Wörter, die ich nie wieder ein einem Reiseblog lesen möchte

Damit Ihr mich nicht falsch versteht: Ich liebe Blogs – und ich liebe es, selbst über meine Reisen zu bloggen. Auch hätte ich selbst nichts dagegen, mich auf eine Bloggerreise einladen oder für das Bewerben eines Artikels bezahlen zu lassen. Ich vermisse es jedoch, mal wieder von einem Reiseblog inspiriert zu werden! Spannende Reiseziele gibt es schließlich genug da draußen! Doch wenn in Eurem Blog überwiegend Sponsored Posts oder sinnfreie Artikel, deren einziges Ziel das Content Marketing ist, veröffentlicht werden, solltet Ihr Euch spätestens jetzt Gedanken um die Zufriedenheit der Leser machen…

Wenn ihr zumindest mich nicht als Leser verlieren wollt, findet Ihr hier eine Liste an Wörtern, die ich nie wieder in einem Reiseblog lesen möchte (in keiner bestimmten Reihenfolge):

  • Packliste
  • Bucketlist
  • Digitale Nomaden
  • Instagram
  • Gastbeitrag
  • E-Book
  • Auslandskrankenversicherung
  • Kreditkarte
  • Rucksack
  • Sämtliche Superlative dieser Welt

Mein Tipp: Viel lieber lese ich über Eure Erlebnisse auf Reisen, interessante Berichte über Menschen, die Ihr unterwegs getroffen habt oder bewundere Fotos von Sehenswürdigkeiten und Landschaften in fernen Ländern, die ich vermutlich niemals mit eigenen Augen sehen werden! Ja, eigentlich wünsche ich mir wieder nur mehr persönliche Blogs – denn sonst kann ich mir auch ein Reisemagazin am Kiosk kaufen: Die bestehen auch größtenteils aus Werbeanzeigen.

4 Replies to “10 Wörter, die ich 2015 in keinem Reiseblog mehr lesen möchte”

  1. Herrlich böse geschrieben – und so wahr. :) Das Blogger Dasein ist ja mittlerweile eine 3 Klassengesellschaft geworden. Selbsternannte digitale Nomaden, die semi-professional aus Südostasien bloggen (warum eigentlich immer von dort – ist das da so billig?) zählen sich zur ersten Klasse, weil nur sie Business machen und es verstanden haben. *Ironie Ende* Dann das Fußvolk, welches Spaß am Bloggen hat und gelegentlich eine Packliste oder Bucketlist online stellt, weil sie die „Profis“ nachahmen. Habe auch meine Bucketlist aus diesem Grund geschrieben. *nachuntenguck* Ansonsten ist mein Blog frei von deinen Reizwörtern, außer Gastbeitrag, da mein Freund einmal pro Jahr einen schreibt. Aber ansonsten frage ich nicht 7 andere Blogger, ob sie ultimative Reiseziele kennen, um meinen Blog zu füllen. Achja fehlt noch die 3. Klasse: 14 jährige, die über ihre Klassefahrt bloggen, ansonsten aber nur von ihren lackierten Fingernägeln. Am meisten nervt mich am Bloggersein, dass ich gerne auch weitere Kooperationen mit Reiseunternehmen hätte, aber meine Reichweite ist natürlich nicht so gut, 100-200 pro Tag, also nicht so super – dafür würde ich schöner von den Reisen berichten, als die meisten großen Blogger, nach deren Artikel man auch nicht schlauer ist. Diejenigen, die die Möglichkeiten hätten richtig toll über eine Destination zu berichten, verlieren sich in Oberflächlichkeiten und konsumorientiertes Bloggen. Sehr schade.

    Viele Grüße

    Myriam

  2. Interessanter Bericht! Ich selber treibe mich erst seit zwei Monaten im Reiseblogger-Milieu herum, aber das Ding mit den ganzen Packlisten und Auslandskrankenscheinen ist mir noch gar nicht aufgefallen. Okay, das liegt vielleicht daran, dass ich nur Beiträge lese, die mich auch wirklich interessieren und bei denen ich mir Inspirationen für meine eigenen Reisen und Ausflüge erhoffe. ….und die Wörter „Lost Place“ oder „Burgruine“ oder „Campingtrip“ kommen so selten zusammen mit Packlisten u.ä. daher. Was aber ja auch nicht wirklich tragisch ist. Oder?

    Herzliche Grüße von Kerstin, die sich noch nie Gedanken um irgendwelche Packlisten oder Auslandskrankenscheine gemacht hat

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