15 Jahre Dial Records – All

15 Jahre Dial Compilation - All

Ich erinnere mich noch genau, wie sich die allererste Dial-Platte auf meinem Plattenteller drehte. Das Lawrence-Stück mit dem seltsamen Bossa-Nova-Rhythmus ist bis heute einer der Meilensteine der Technogeschichte. 15 Jahre sind seitdem vergangenen und das Label ist immer noch ganz vorne dabei. Zum 15-jährigen Labeljubiläum erscheint nun eine schlicht „All“ betitelte Compilation mit 15 bisher unveröffentlichten Musikstücken.

„All“ – Dial Records feiert 15. Geburtstag mit neuer Compilation

Mit dabei sind natürlich die Dial-Urgesteine Lawrence, Efdemin, Pawel, RNDM, Roman Flügel, Pantha Du Prince, Christian Naujoks sowie ein seltenes Lebenszeichen von Carsten Jost. Außer Christian Naujoks, der die Sammlung mit einem elegischen Synthie-Werk eröffnet, und Pawel – dessen „All nearness pauses“ an den alten Ladomat 2000-Sound erinnert – liefern die genannten Namen bewährte Dial-Kost zwischen Minimal, House und Techno. Alles sehr geschmackvoll auf gewohnt hohem Niveau, die Höhepunkte des klassischen Dial-Sounds sind für mich RNDM’s „Summer Smile“ (wie der Name bereits vermuten lässt, ein luftig-lockeres Housestück) und das düster-funkelnde „My confession“ von Carsten Jost. Dass sich die Dial-Crew jedoch nicht auf ihren 15-jährigen Lorbeeren ausruht, sondern schon wieder in ganz neue Sphären vorstößt, zeigen insbesondere die neuen Künstler auf dem Album.

Man hört dieser CD deutlich an, dass Dial-Betreiber David Lieske nicht mehr in Hamburg und Berlin ansässig ist, sondern mittlerweile in New York lebt und dort den Ableger der labeleigenen Mathew-Galerie leitet. Denn in New York floriert derzeit eine Musikszene, von der man bei uns in Deutschland nur träumen kann. Genregrenzen scheinen dort jedenfalls ein Fremdwort zu sein: Wer sich auf Soundcloud durch diese Szene klickt, kommt aus dem Staunen jedenfalls nicht mehr heraus: Hier werden Soul, schwuler Hip Hip, Techno, House, Trance und Eurodance in einem riesigen Schmelztigel miteinander verrührt, sodass Geschmacksnazis die Gesichtszüge entgleisen werden.

Erinnert sich noch jemand an den schrägen Karoake-Song „Break it down“ von Cross Fade Entertainment feat. Joonsik auf der Hamburgeins 03-Compilation aus 2001? Der Künstler Stefan Tcherepnin liefert mit „I want to be art“ den offiziellen Nachfolger dieses Klassikers. Die mystische und schöne Hymne mit der Stimme von Yuri Manabe stammt aus einem skurillen Science-Fiction-Film der United Brothers Inc. welcher im vergangenen Jahr in Los Angeles, New York und Tokio gedreht wurde. Physical Therapy liefert mit „Market Crash“ den ersten Drum & Bass-Track auf Dial und James K lässt mit „S Lush” engelsgleiche Stimmen über verzerrte Gitarren schweben. In die selbe Gitarren-Drone-Noise-Kerbe schlägt Queens (Scott Mou) mit „Earth Angel“, der ja bereits vor zwei Jahren ein Album auf dem Label veröffentlicht hatte.

Ganz am Ende der CD wartet dann jedoch der absolute Höhepunkt dieser Zusammenstellung: Das Berliner Duo Dawn Mok liefert mit “Like Thoughts or Moments We Fall” ein lupenreines R & B-Stück, dass Destiny’s Child alle Ehre macht. Zum Niederknien schön, aber mit einem gravierenden Fehler: Es ist viel zu kurz!

Tracklist:
01. Christian Naujoks – For A While
02. Stefan Tcherepnin – I Want To Be Art
03. Roman Flügel – In Your Wardrobe
04. RNDM – Summer Smile
05. Carsten Jost – My Confession
06. Lawrence – Chez Dupont
07. John Roberts – Paloma
08. Pawel – All Nearness Pauses
09. Efdemin – No Exit
10. DJ Richard – Zero
11. Physical Therapy – Market Crash
12. Pantha Du Prince – Timeout On The Rocks
13. Queens – Earth Angel
14. James K – S Lush
15. Dawn Mok – Like Thoughts Or Moments We’ll Fall

“All” erscheint am 25. Mai als Download, CD und Dreier-Vinyl auf Dial Records.

Wie hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf einen Stern, um ihn zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung / 5. Stimmenzahl:

Bisher keine Stimmen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass dieser Beitrag für Dich nicht hilfreich war!

Lass uns diesen Beitrag verbessern!

2 Replies to “15 Jahre Dial Records – All”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.