Mein Versuch, eine Woche als Digitaler Nomade auf Teneriffa zu arbeiten

Flugausfall Hannover - Teneriffa mit tuifly

Eigentlich habe ich mir diese Woche total anders vorgestellt: Ich hatte spontan Flug und Hotel auf Teneriffa gebucht. Dort wollte ich mich für eine Woche als Digitaler Nomade versuchen. Ok, ich übertreibe – jedoch wollte ich mir einen Traum verwirklichen: Im Mai werde ich nämlich fünf Jahre selbständig sein. Zur Selbständigeit kam ich wie die berühmte Jungfrau zum Kind, nachdem gleich mehrere Arbeitgeber, bei denen ich nach meinem Studium in Festanstellung gearbeitet hatte, die Segel gestrichen hatten. Ansonsten wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen, mich selbständig zu machen. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich als Freiberufler so erfolgreich sein könnte. Allerdings denke ich bis heute, dass es sich lediglich um eine nun schon fünf Jahre andauernde Glücksträhne handelt – aber das entspricht wohl einfach meinem Naturell. Für mich ist das Glas immer halb leer, anstatt halb voll. Andererseits ist diese pessimistische Sichtweise sicherlich auch ein Grund für meinen beruflichen Erfolg. Schließlich gibt es in meiner Branche genug Kollegen, die immer höher und weiter auf der Erfolgsleiter hinauf wollen. Ich dagegen halte mein Business ganz bewusst klein:

  • Eine überschaubare Anzahl an Kunden
  • Außer einer 450-Euro-Kraft keine weiteren Mitarbeiter
  • Homeoffice anstatt angemietete Büroräume

Denn der größte Luxus ist nicht materieller Natur, sondern ein freies Leben:

  • Keine vorgeschriebenen Arbeitszeiten
  • Keine Überstunden
  • Keine cholerischen Chefs
  • Keine nervigen Kollegen
  • Ich muss keinen Urlaubsantrag stellen, wenn ich verreisen möchte

Wenn ich diese Zeilen lese, merke ich erst wieder, wie gut es mir geht! Denn eines habe ich in den vergangenen fünf Jahren Selbständigkeit ebenfalls gelernt: Ich selbst bin mir mein strengster Chef. So habe ich in den fünf Jahren kein einziges Mal via Laptop auf der Terasse – oder gar im Park oder Café – gearbeitet. Statt sechs Wochen Urlaub habe ich mir maximal 3-4 Wochen Urlaub pro Jahr gegönnt. Und aus irgendeinem Grund bin ich selbst mit meinen Arbeitsergebnissen nur selten zufrieden. Tatsächlich sind meine Kunden mit den erzielten Ergebnisse meistens glücklicher als ich selbst. Kurz gesagt: Ich setze mich selbst tierisch unter Druck!

Doch ich schweife vom eigentlich Thema ab: Aus den oben geschilderten Gründen wollte ich mir zum ersten mal nach fünf Jahren Selbständigkeit die Freiheit können, mein Büro in den sonnigen Süden zu verlagern. Wenn sogenannte Digitale Nomaden ihre Laptop-Büros im Backpacker-Rucksack mit sich herumtragen und unter Palmen am Strand auf Bali oder in Co-Working Camps in Thailand für ihre Kunden arbeiten – dann möchte ich zumindest mal für eine Woche in einem Hotelzimmer auf Teneriffa produktiv sein. Leider hat mir jedoch das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Warum mein Versuch, eine Woche als Digitaler Nomade auf Teneriffa zu arbeiten, schon nach wenigen Stunden scheiterte

Bereits von Anfang an Stand mein Experiment, eine Woche als Digitaler Nomade auf Teneriffa zu arbeiten, unter keinem guten Stern. Um auf der Kanareninsel nicht nur arbeiten zu müssen, sondern auch einige Ausflüge und Wanderungen in aller Ruhe genießen zu können, hatte ich die beiden Wochen vor Reisebeginn umso härter und länger für meine Kunden gearbeitet. Denn mein Geschäft sollte auf keinen Fall unter meinem einwöchigen Experiment als Digitaler Nomade leider. Doch nicht nur im Büro war vor Abflug viel zu erledigen, sondern auch der Garten musste zum Frühlingsbeginn noch auf Vordermann gebracht werden. Daher war ich vor meiner Abreise schon gestresst wie nur selten. Und all das auch unter dem Schatten des Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Die Passagiere verlassen das kaputte Flugzeug wieder
Die Passagiere verlassen das kaputte Flugzeug wieder

Zweiter negativer Aspekt meines Unterfangens: Der Teneriffa-Flug mit tuifly ab Hannover war für 3:25 Uhr angesetzt. Wer mich kennt, der weiß, dass ich absolut kein Nachtmensch bin. Ich brauche jede Nacht mindestens sieben Stunden Schlaf. Und der Anblick des Sonnenaufgangs, den viele Menschen so sehr lieben, gehört für mich zu den schrecklichsten Momenten überhaupt. Ich HASSE es, noch wach zu sein, wenn schon wieder die Sonne aufgeht und es draußen hell wird.

Aufgrund der widrigen Bedingungen hatte ich schon die Nächte vor meiner Abreise schlecht geschlafen. Und nun sollte ich am Freitagabend, zu einer Uhrzeit, um die ich normalerweise ins Bett gehe, im Auto zum Flughafen nach Hannover gefahren werden. Um wenigstens einigermaßen ausgeschlafen zu sein, legte ich mich um 20.15 Uhr auf die Couch und schaffte es sogar, ungefähr zwei Stunden zu schlafen. Als es Zeit wurde, zum Flughafen zu fahren, hätte ich mich am liebsten ins Bett gelegt. Doch ich wollte mir nichts anmerken lassen, biss die Zähne zusammen und stieg ins Auto. Die Abschiedszeremonie am Flughafen wollte ich schnellstmöglich hinter mich bringen und dann wartete ich auf den Flieger. Pünktlich saß ich im Flugzeug, wir waren bereits auf dem Weg zu Startbahn und die Crew hatte bereits das Kabinenlicht für den Start gedimmt – da blieb das Flugzeug plötzlich stehen. Nach einer Weile kam die Durchsage des Kapitäns, dass wir Öl aus dem rechten Triebwerk verlieren würden und zurück zum Gate fahren müssen, um die Angelegenheit zu prüfen. Zurück am Terminal überbrachte der Pilot uns dann die nächste Nachricht: Wir können aufgrund des defekten Triebwerks definitiv nicht fliegen. Ein neues Flugzeug musste her!

Das Ersatzflugzeug wurde auch recht zügig gefunden. Dann durfte jedoch die Crew nicht mehr fliegen, da sie ansonsten auf dem Rückflug von Teneriffa nach Hannover die erlaubte Arbeitszeit überschreiten würde. Nun musste also nicht nur ein neues Flugzeug, sondern auch noch eine komplett neue Besatzung organisiert werden! Die Abflugzeit verzögerte sich dadurch auf mindestens 6.00 Uhr.

Flugausfall: Gepäck und Essen werden wieder aus dem Flugzeug ausgeladen
Flugausfall: Gepäck und Essen werden wieder aus dem Flugzeug ausgeladen

Allerdings muss ich gestehen, dass ich gar nicht so traurig auf die Verzögerung reagierte: Bereits im Flugzeug hatte ich ein ziemlich ungutes Gefühlt. Daher war ich fast froh, als wir zurück zum Gate rollten und die Maschine wieder verlassen mussten. Als ich dann auch noch bemerkte, dass bereits andere Passagiere dem Personal mitgeteilt hatten, nicht mehr mitfliegen zu wollen, schloss ich mich spontan dem kleinen Grüppchen an. Als gegen 6 Uhr morgens die meisten Urlauber noch immer auf ihren Abflug nach Teneriffa warteten, wo die Maschine eigentlich 7 Uhr Ortszeit schon hätte landen sollen, machte ich mich mit meinem Köfferchen auf den Weg zum Bahnhof und zurück nach Hause.

Allerdings war ich nach dieser Nacht am Flughafen Hannover um einige Erkenntnisse reicher:

  • Ein Leben als Digitaler Nomade entspricht nicht meiner Arbeitsweise
  • Ich werde niemals wieder alleine ohne Schatzi verreisen
  • Nachtflüge werden in Zukunft möglichst vermieden

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