Genesis live in Hannover

15 Jahre also haben Genesis in der Besetzung Collins, Banks, Rutherford nicht live gespielt. Eine Zahl, die man erstmal verdauen muss – mein halbes Leben! Nostalgisch wurde das Konzert gestern Abend trotzdem nicht, denn die Band spielte einfach drauflos, als wäre sie niemals weggewesen. Wehmütig wurde man nur bei dem Gedanken, dass es so etwas wie Genesis heute eigentlich gar nicht mehr gibt und man hier echte, lebende Dinosaurier vor Augen hat.

Zugegeben: Genesis sind für mich eigentlich nur die zwei kommerziell erfolgreichsten Alben „Invisible Touch“ und „We can’t dance“. Gute eingängige Pop-Musik der Achtziger und frühen Neunziger eben, die ich in meiner Kindheit rauf und runter gehört habe. Mit allem, was davor war, kann und will ich nichts anfangen. So wurde bereits das dritte Stück, ein nicht enden wollendes Medley alter Stücke mit minutenlangen Gitarrensolos nicht nur für mich zu einer echten Geduldsprobe und ein großer Teil des Publikums nutzte die Gelegenheit zu einer spontanen Toilettenpause. Trotzdem Respekt, dass die Band den Mut hatte, einen Großteil des Publikums mit diesem schwerverdaulichen Material zu konfrontieren, anstatt nur auf die sicheren Hits zu setzen.

Genau die brachten das bis auf den letzten Platz gefüllte Stadium dann nach Einbruch der Dunkelheit doch zum Toben: Begleitet von der imposantesten Licht- und Bühnenshow, die ich je gesehen habe, und sattem Sound auch noch auf den hintersten Plätzen (mit Schrecken denke ich an das Depeche-Mode-Konzert, auf welchem unterm Stadiondach kaum noch etwas zu hören war) waren „Follow you, follow me“, „Throwing it all away“, „Domino“, „Tonight Tonight Tonight“ und schließlich „Invisible Touch“ die Höhepunkte des Abends.

Alleinunterhalter der Veranstaltung war natürlich Phil Collins, den ich auch heute noch vom Fleck weg heiraten würde. Mit Lausbubengrinsen eröffnete er das Konzert in vom pünktlich einsetzenden Regen völlig durchnässter Hannover-96-Trainingsjacke. Aufgesetzte Coolness, einstudierte Posen und Kostümwechsel hat er eh nicht nötig. Stattdessen liest er in radebrechendem Deutsch kurze Mitteilungen ans Publikum von einem DIN-A-4-Blatt ab und lässt sich selbst vom Austausch eines defekten Keyboards mitten in der Show (“Special Roadie Show only in Hannover”) nicht aus der Ruhe bringen. Am Ende des Konzerts bedankt er sich mit einem „Merci Hannover“ – um sich, seinen Irrtum bemerkend, lachend an den Kopf zu schlagen und ein „Vielen Dank“ folgen zu lassen.

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5 Replies to “Genesis live in Hannover”

  1. @ Tomatensalat:

    „Grumpy old men“… vom Erscheinungsbild her mag das vielleicht stimmen, jedoch haben diese „grumpy old men“ schon Musik gemacht, bevor Du und ich überhaupt auf der Welt waren…und damals schon die Hallen und Stadien gefüllt, nicht nur nach der ersten, sondern auch nach der zweiten, dritten, achtzehnten Tour. Anders als der heutige „Hört-sich-alles-gleich-an-Retorten-Dreck-der-von-der-Plattenindustrie-ausgesaugt-wird“.

    Sind wir mal erhlich: who the fuck sind Mark Medlock, Monrose oder wie die alle heissen? Für mich erfüllen sie nur einen Zweck: der Beweis, dass im heutigen Zeitalter eine so grossartige, Gruppe wie Genesis als Jungmusiker auf dem Musikmarkt (leider) keine Chance mehr hätten, weil sich eben nicht das schnelle Geld damit verdienen lässt. Schade um die diese vielen jungen Talente da draussen (und damit meine ich die unzähligen Bands, die selber Musik machen und nicht jene Deppen, die sich in irgendwelchen Castingshows als Hure der Industrie der Lächerlichkeit preisgeben)

    Da werfe ich lieber 3 Grumpy old men mein Geld hinterher, bevor ich es auch nur einem hochgejubelten, von null auf eins katapultierten und mit einer Lebenserartung von höchstens 2 Alben ausgestatteten Bohlen-Schützling in den A*** schiebe.

    TURN IT ON AGAIN

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