Queen of Drags: Darum ist Heidi Klum die ideale Moderatorin

Queen of Drags: Heidi Klum ist die ideale Moderatorin

Pro7 plant eine neue Realityshow namens „Queen of Drags“. Als Moderatorin wird „Germany’s Next Top Model“-Star Heidi Klum – gemeinsam mit Conchita Wurst und Bill Kaulitz – durch die Sendung führen. Gegen diese Entscheidung tobt nun die sogenannte Queer-Community: Angeführt wird der Proteststurm von zwei Berliner Drag Queens namens Ryan Stecken und Margot Schlönzke. Diese haben eine Online-Petition gestartet, um Heidi Klum als Moderatorin der Show zu verhindern. Die Kern-Begründung der Petition mit dem Titel „Kein Foto für Heidi“ lautet:

mit Klum sei der „Ausverkauf der Drag-Community an ein heteronormatives Publikum zu dessen bloßer Belustigung“ zu befürchten

Wenn ich soetwas lese wird mir schlicht und einfach kotzübel. Umgekehrt könnte man dann argumentieren, dass eine homosexuelle Person keine heteronormative Sendung moderieren darf. Zum Glück gibt es genügend schwule, lesbische und transsexuelle Personen, die Hetero-Formate moderieren. Spontan fallen mir z.B. „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ mit Frank „Froonck“ Matthée, „Shopping Queen“ mit Guido Maria Kretschmer oder „Wa(h)re Liebe“ mit Lilo Wanders ein. Niemand hat sich (erfreulicherweise) je daran gestört. Und nun geht ausgerechnet ein Aufschrei durch die LGBT-Szene, weil eine heterosexuelle Frau eine Drag-Queen-Show moderieren soll!

In der Petition heißt es außerdem:

Heidi Klum hat von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung.

Das ist schlicht falsch. Zum einen hat Heidi Klum in ihrer Wahlheimat USA ein ganz anderes Image als in Deutschland. Dort ist sie vor allem als als langjährige Moderatorin der preisgekrönten Sendung „Project Runway“ bekannt, in welcher keine Models, sondern Modedesigner gegeneinander antreten. Viele der Kandidaten haben einen queeren Hintergrund, welcher auch häufig thematisiert wurde. Heidi Klum ist daher in der amerikanischen Gay-Szene sehr beliebt.

Warum ist Heidi Klum die ideale Moderatorin für „Queen of Drags“?

Viel interessanter ist jedoch, dass Heidi Klum in ihrer deutschen Sendung „Germany’s Next Top Model“ (GNTM) bereits seit Jahren transsexuelle Nachwuchsmodels fördert. Dabei wurden die transsexuellen Teilnehmerinnen kein einziges Mal bloßgestellt oder sich über die lustig gemacht. Ganz im Gegenteil: Ihre Transsexualität wurde erstaunlich wenig thematisiert und somit zu etwas ganz Normalem. Die transsexuellen Teilnehmerinnen waren niemals die schrillen Ulknudeln, sondern ganz einfach weitere Mädels unter vielen anderen. Auch von ihren Mitbewerberinnen wurden die transsexuellen Teilnehmerinnen niemals gemobbt, sondern als gewöhnliche Freundinnen (und Konkurrentinnen) akzeptiert. Kurz gesagt: Ihre Transsexualität spielte in der Sendung keine Rolle!

In der GNTM-Staffel 2018 lud Heidi Klum einige Dragstars aus der US-Sendung „Rupaul’s Drag Race“ ein. Die Teilnehmerinnen durften mit den Drag Queens Morgan McMichaels, Farrah Moan, Jaidynn Fierce und Laganja Estranja performen. Und im GNTM-Finale 2018 traten gleich 24 Drag Queens auf, die zu queeren Hits über den Laufsteg stolzierten und dabei eine riesige Regenbogenflagge schwenkten, während im Hintergrund die Botschaft „Love Wins“ leuchtete. Doch anstatt sich darüber die freuen, dass Drag Queens in einer Primetime-Sendung vor einem mehrheitlich heterosexuellen Millionenpublikum auftreten, wurde Heidi Klum, bzw. Pro7, auch damals schon von der Szene des Pinkwashings kritisiert.

Im GNTM-Finale 2019 gewann die transsexuelle Teilnehmeerin Tatjana den Personality Award. Und auch in ihren Instagram-Stories zeigt sich Heidi Klum immer wieder mit Drag Queens oder mit ihren Kindern auf dem Gaypride in Los Angeles. In Zeiten, in denen rechte Hass-Politiker wieder gegen alles hetzen, was nicht ihrer kleingeistigen Norm entspricht, zeigt Heidi Klum hier – im wahrsten Sinne des Wortes – (Regenbogen-) Flagge. Dafür sollte sich die queere Community lieber bei ihr bedanken, anstatt sie zu kritisieren!

Und zu guter Letzt dürfte ein Star wie Heidi Klum wohl ein deutlich größeres Publikum vor die Fernseher locken, als irgendeine Drag Queen, die außerhalb der Szene niemand kennt.

Eine solche Petition reißt die Gleichberechtigung, die über Jahrzehnte erkämpft wurde, gleich wieder ein. Die sexuelle Orientierung eines Menschen sollte keine Rolle spielen – das gilt für Schwule, Lesben und Heteros gleichermaßen! Daher ist es auch völlig in Ordnung, wenn eine heterosexuelle Frau eine queere Show moderiert.

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